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Ausführliche Beschreibung der Programminhalte

Eröffnungsvortrag (2 UE)

Samstag, 21. November 2026

10:30 – 12:00 Uhr

Wie jetzt weiter? Handlungsfähig und zuversichtlich bleiben in herausfordernden Zeiten
Dr. med. Joachim Wilken, Münster

Die Zeiten sind gefühlt komplexer und schwieriger geworden, vieles ist „mehr“ geworden. Für Kinder und Jugendliche ist heute der Krisenzustand zum Normalzustand geworden. Institutionen stoßen an Ihre Grenzen. Familien stehen unter Druck. Therapeut*innen erleben einen steigenden Bedarf, immer mehr Not und anspruchsvollere Symptomatik bei schwindenden Ressourcen. Wie ist das dauerhaft zu schaffen? Was kann man dem entgegensetzen? Wo bleiben Leichtigkeit und Begeisterung?

Kurzworkshops (5 UE)

Samstag, 21. November 2026

13:00 – 17:15 Uhr

KW 1: Diskriminierungssensible Psychotherapie – Wenn ein Unterschied einen Unterschied macht
Dr. Christina Schütteler, Swisttal

Diversität ist allgegenwärtig: im Alltag und damit auch in der psychotherapeutischen Praxis begegnen sich Menschen verschiedener sozialer Identitäten wie ethnischer Hintergründe, Hautfarbe, Sprache, Religionen, sexueller Orientierung, Geschlecht, sozioökonomischer Hintergründe, Körpergewicht oder Behinderung. Diskriminierungserfahrungen außerhalb und innerhalb der Psychotherapie erhöhen die Vulnerabilität für psychische Störungen. Um dennoch eine faire Versorgung zu gewährleisten, muss ein konstruktiver Umgang mit struktureller Diskriminierung in der Psychotherapie gefunden werden.

Literatur:

  • Schütteler, C., & Slotta, T. (2023). Diskriminierungssensible Psychotherapie und Beratung. Springer.
  • Williams, M. T. (2020). Managing microaggressions: Addressing everyday racism in therapeutic spaces. Oxford University Press.


KW 2: Intensivierte Expositionstherapie bei spezifischen Phobien im Kindes- und Jugendalter 
Dr. rer.nat. Karen Krause, Bochum

Weltweit leidet eine Vielzahl von Kindern und Jugendlichen unter psychischen Störungen, wobei Angststörungen zu den frühsten und mit 15–20 % zugleich zu den häufigsten gehören. Unbehandelt begünstigen sie einen dysfunktionalen Entwicklungspfad mit einem erhöhten Risiko weiterer Psychopathologie wie z.B. Depressionen oder Substanzmissbrauch. In Deutschland besteht allgemein ein erheblicher ungedeckter Versorgungsbedarf, da die durchschnittliche Wartezeit lang und die Therapieplätze begrenzt sind. Ferner besteht gerade bei kindlichen Angststörungen wenig Einsicht der Bezugspersonen in das Leiden der jungen Betroffenen und den Hilfebedarf. Ein vielversprechender Ansatz zur Optimierung der Versorgung ist der Einsatz von One-Session-Treatments (OSTs), die bei spezifischen Phobien gute und langfristige Behandlungserfolge sichern, jedoch mit weniger Stundenaufwand verbunden und daher für Familien niederschwellig zugänglich sind. Gleichzeitig weisen Studien darauf hin, dass der Transfer dieser evidenzbasierten Behandlungen in die psychotherapeutische Alltagspraxis noch nicht hinreichend gelungen ist.
Der Workshop soll einen Betrag zur Dissemination von OSTs beitragen, indem praxisnah gezeigt wird, wie OSTs vorbereitet und durchgeführt werden können, inklusive Psychoedukation, kognitiver Analyse, dreistündiger Expositionssitzung, Hausaufgaben-Sitzung, Übungsphase mit Telefonkontakten sowie Nachbesprechung. Alle Sitzungen werden schrittweise erarbeitet und durch Rollenspiele sowie praxisnahe Übungen trainiert, um die Integration im therapeutischen Alltag zu erleichtern.


KW 3: Eltern-Säuglingstherapie nach belastenden Erlebnissen
Dr. Claudia Ruff, Bottrop

„Ich habe mir das einfacher vorgestellt mit dem Elternsein“ ist nur einer von vielen Sätzen, die Eltern nach schwierigen Erfahrungen rund um Geburt und Wochenbett in der Praxis äußern. Im Workshop sollen Einblicke in die ambulante Arbeit mit belasteten jungen Familien gegeben werden. Inzwischen gehen wir davon aus, dass etwa jeder 7. Säugling von einer frühkindlichen Regulationsstörung betroffen ist. Der Anteil von Müttern mit postpartaler Depression ist ähnlich hoch. Die wichtigsten Interventionen von der ersten Krisenintervention über die Förderung von Bindung, der entwicklungspsychologisch fundierten Beratung bis zur Behandlung der häufigsten Symptome frühkindlicher Regulationsstörungen sind Thema des Workshops.

Literatur:

  • Brisch, K. H. (2013). Schwangerschaft und Geburt. Bindungspsychotherapie. Klett-Cotta: Stuttgart.
  • Brisch, K. H. (2014). Säuglings- und Kleinkindalter. Bindungspsychotherapie. Klett-Cotta: Stuttgart.
  • Cierpka, M. (2014). Frühe Kindheit 0 – 3 Jahre. Beratung und Psychotherapie für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern. Springer: Heidelberg.
  • Harms,T. (2018). Keine Angst vor Babytränen. Wie Sie durch Achtsamkeit das Einen Ihres Babys sicher begleiten. Psychosozial-Verlag: Gießen.


KW 4: Extrem schizophren ... !?!
Dr. med. Joachim Wilken, Münster

Psychotische Störungen zählen weiterhin zu den besonderen Herausforderungen und sind von verschiedensten Gefühlen von Seiten der Betroffenen und der Behandler*innen begleitet. Der Workshop beschäftigt sich – eingebettet in fachlichem Input – interaktiv mit praktischen Überlegungen und lässt die vielen Emotionen nicht außer Acht. Also, keine Angst vor extrem schizophren.

Literatur: 

  • Ratgeber Schizophrenie; Informationen für Betroffene, Eltern, Lehrer und Erzieher, Huppert, Kienzle; Hogrefe 
  • Psychosen in der Adosleszenz, B.G. Schimmelmann, F. Resch (Hrsg.)
  • Kognitive Verhaltenstherapie der Schizophrenie, Ein individuenzentrierter Ansatz, Tania Lincoln; Hogrefe


KW 5: Die medizinische Kinderschutzhotline: Niedrigschwellige Fachberatung im medizinischen Kinderschutz – bundesweit und rund um die Uhr
Barbara Holzmann, Köln

Vorstellung der Arbeit der medizinischen Kinderschutzhotline. Diese bietet ein bundesweites telefonisches Beratungsangebot für Fachpersonal bei Kinderschutzfragen. Im Kinderschutz bestehen zahlreiche Schnittstellen. Sozialpädag*innen, Ärzt*innen, Jurist*innen, Psycholog*innen, Therapeut*innen haben unterschiedliche fachliche Hintergründe, Sprachregelungen und Blickwinkel. Die Mutliprofessionalität gereicht einen Kinderschutzprozess, kann jedoch gleichzeitig zu Missverständnissen führen. Hinzu kommt, dass Fachkräfte nur gelegentlich mit Fragen zu Misshandlung, Missbrauch und Vernachlässigung konfrontiert werden. Gleichzeitig entstehen dringliche Fragen häufig zu "Unzeiten". 
Wie in diesen Situationen die Kinderschutzhotline ein unterstützender Bestandteil in Ihrer Arbeit sein kann und wie eine Beratung hier konkret aussehen würde werden wir klären. Zudem stellen wir die rechtlichen und medizinischen Grundlagen im Kinderschutz dar. 


KW 6: Trauma und Schmerz
Dr. Michael Dobe, Selm

In diesem Kurzworkshop geht es darum, wie man bei Kinder und Jugendlichen mit chronischen Schmerzen und Traumastörungen parallel sowohl die Schmerzen als auch die Traumasymptome behandeln kann. Da diese Patientengruppe häufig unter vielen unspezifischen psychischen wie unklaren körperlichen Symptomen leidet, ist die Verunsicherung in der Behandlung manchmal groß. Der Schwerpunkt liegt weniger auf der Vermittlung von Techniken als vielmehr in der Vermittlung einer klaren Haltung und logischen Begründung des Vorgehens. Die Grundzüge in der Behandlung von Schmerzen wie auch traumatischer Symptome werden vorausgesetzt.

Literatur:

  • Therapie von Schmerzstörungen im Kindes- und Jugendalter. Springer-Verlag, 2021, 2. Auflage


KW 7: WeltSchmerz und SelbstFürsorge
Nina Günther/Anne Zehrer, Münster

„Wir und die Anderen: wir sind die Anderen.“ – Zitat nach Klaus Dörner
Kriege, Klimawandel, Umweltzerstörung, Rechtspopulismus, sich verändernde Systeme und Lebensbedingungen wie der Abbau des Sozialstaates, Vereinsamung durch Individualisierung, die Schere des zwei Klassen Gesundheitssystems, soziale und ökonomische Ungleichheit belasten nach Dörner nicht nur unsere Patient*innen, sondern auch uns.
Wie kann es uns gelingen mit aufkommendem Weltschmerz und Ohnmacht im Kontext der Therapie unsere Handlungsfähigkeit, als Akt der Selbstfürsorge, zu erhalten?
In diesem offenen Workshop möchten wir mit Euch in den Austausch kommen und gemeinsam explorieren, was diese schwierigen Zeiten in uns auslösen, welche Gefühle aufkommen?
Im zweiten Schritt möchten gemeinsame Überlegungen anstellen, wie wir mit diesen Gefühlen umgehen und wie wir unsere, sowie die Handlungsfähigkeit unserer Patient*innen, erhalten und fördern können, im Sinne einer demokratischen Berufspraxis.
Hierfür brauchen wir Euch, eure Lebenserfahrungen persönlich, beruflich und von Euren Patient*innen. In einer offenen Struktur möchten wir mit Euch in kollegialen Austausch kommen und gemeinsam erste Ideen zur Etablierung von Zwischenräumen in unseren häufig starren Berufsalltag zu integrieren.


KW 8: Kinderschutz und Kindeswohlgefährdung in der Psychotherapie
Wolfgang Schreck, Hattingen

In der Psychotherapie mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ergeben sich auch Informationen auf das Vorliegen einer Kindeswohlgefährdung. Für diese Fallkonstellationen sind in den letzten Jahren (berufs-)rechtliche Regelungen entwickelt worden, die Leitlinien sind, wie zu verfahren ist. In dem Kurzworkshop sollen diese Regelungen vorgestellt und auf Fallbeispiele angewandt werden. Weiterhin soll ein Überblick über Hilfsmöglichkeiten bei Kindeswohlgefährdungen gegeben werden. Es können gerne eigene Fallbeispiele eingebracht werden.

Literatur:

 

Langworkshops (8 UE)

Sonntag, 22. November 2026

09:00 – 16:30 Uhr

LW 1: Rucksack packen für das Auf und Ab des Lebens – Eine Packanleitung für Familien auf ihrem Lebensweg in Trauerzeiten
Mechthild Schroeter-Rupieper, Gelsenkirchen

Das Leben verläuft nicht immer gleichmäßig - manchmal leicht und freudig, manchmal schwer und schmerzlich. In Krisenzeiten zeigt sich besonders deutlich, dass Familienmitglieder nicht immer im gleichen Tempo auf ihrem veränderten Lebensweg unterwegs sind: Jede und jeder entwickelt eigene Bewältigungsstrategien, Bedürfnisse und Formen des Umgangs mit Belastungen.
Wie können Kinder, Jugendliche und Eltern unterstützt werden, miteinander verbunden zu bleiben und dennoch individuelle Wege gehen zu dürfen? Und welches „emotionale Gepäck“ hilft Familien, mit Verlust, Trennung, Trauer und Veränderung umzugehen?
Mit dem LAVIA Lebensweg- und Trauermodell von Mechthild Schroeter-Rupieper richtet das Seminar den Blick auf Trauer als familiären Prozess und auf die Ressourcen, die Menschen benötigen, um emotionale Krisen bewältigen zu können.
Im Mittelpunkt steht dabei das Familienkonzept:
Kinder reagieren nie losgelöst von ihrem System. Belastungen, unausgesprochene Konflikte, Loyalitäten, Bindungsabbrüche oder unverarbeitete Verluste wirken oft auf das gesamte Familiensystem ein. Therapeutische Arbeit bedeutet daher zunehmend, familiäre Dynamiken mitzudenken und Eltern wie Bezugspersonen aktiv einzubeziehen.
Das Seminar vermittelt praxisnah, wie Therapeut*innen Familien darin unterstützen können,

  • Trauerprozesse besser zu verstehen,
  • emotionale Sicherheit wiederherzustellen,
  • Ressourcen sichtbar zu machen,
  • Sprachlosigkeit zu überwinden,
  • um langfristigen psychischen Belastungsentwicklungen vorzubeugen.

Besonderes Augenmerk liegt auf Trauerprozessen nach:

  • Trennung und Scheidung
  • Tod eines Angehörigen 

Dabei verbindet der Workshop fachlichen Input mit kreativen Impulsen, therapeutischen Perspektiven und alltagsnahen Interventionen für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und ihren Familien.


LW 2: Borderline früh erkennen – wirksam (be)handeln mit DBT-A
Hanna Buchholz, Würzburg

Die emotional-instabile bzw. Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist eine schwerwiegende Störung der Affektregulation, begleitet von tiefgreifenden Störungen des Selbstbildes und des zwischenmenschlichen Verhaltens. Häufig manifestiert sich die Symptomatik bereits in der frühen Adoleszenz. Lange wurde, mit Verweis auf eine sich noch in der Entwicklung befindliche Persönlichkeit von Jugendlichen, die Ansicht vertreten, dass eine Diagnosestellung erst ab dem 18. Lebensjahr erfolgen solle. Inzwischen konnte empirisch gezeigt werden, dass sowohl eine frühe Diagnosestellung, als auch die Einleitung einer spezifischen Behandlung, prognostisch günstig sein und einem chronischen Verlust des Funktionsniveaus vorbeugen können (vgl. S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung, November 2022). In diesem Workshop wird speziell auf die Besonderheiten von Patient*innen mit (beginnender) BPS im Jugendalter eingegangen. Die Teilnehmer*innen erhalten die Möglichkeit, die eigenen Kenntnisse bezüglich dieses Störungsbildes sowie dessen Diagnostik zu vertiefen. Dabei soll insbesondere ein umfassendes Verständnis des bio-psycho-sozialen Entstehungsmodells vermittelt werden.
Auf dessen Grundlage soll im Anschluss eine vertiefte Auseinandersetzung mit einem evidenzbasierten Behandlungsansatz, der Dialektisch-Behavioralen Therapie für Adoleszente (DBT-A), erfolgen. Die Teilnehmer*innen erhalten einen strukturierten Einblick in zentrale Therapiebausteine, wie der psychotherapeutischen Beziehungsgestaltung, der Behandlungsstruktur sowie des Fertigkeitentrainings nach DBT-A. Neben der Behandlung einer (beginnenden) BPS wird die Dialektisch-Behaviorale Therapie mittlerweile auch in der Behandlung von weiteren Störungsbildern erfolgreich eingesetzt. Hier soll eine überblicksartige Einordnung von Anwendungsmöglichkeiten für die DBT-A erfolgen.
Der Workshop richtet sich an (approbierte) Psychotherapeut*innen, die ihre Kompetenz in Bezug auf die Borderline-Persönlichkeitsstörung sowie die Dialektisch-Behaviorale Therapie für Adoleszente als Psychotherapiemethode erweitern möchten.


LW 3: Männlichkeit und Gewalt
Rainer Neutzling, Colico (Italien)

Die Geschlechterrollen der demokratisch entwickelten Gesellschaften haben sich in den vergangenen Jahrzehnten einander angeglichen. Trotzdem muss auch heute noch aus einem Jungen ein „richtiger Mann“ werden. Wie kommt das und wie funktioniert dieser Prozess im systemischen Gefüge von Männlichkeit und Weiblichkeit? Wie groß sind die Spielräume, wie unausweichlich Zwänge, wenn es „hart auf hart“ kommt?
Im Workshop geht es um die Reflexion der Erfahrungen mit Männlichkeit (als Jungen und Männer und als Mädchen und Frauen), den persönlichen und gesellschaftlichen Einstellungen gegenüber kritisch angesehener Männlichkeit und Weiblichkeit, der Wahrnehmungsfähigkeit gegenüber männlicher Opferschaft und den psychischen Voraussetzungen für männliche (und weibliche) Gewaltbereitschaft.

Literatur:

  • Neutzling, Rainer (2005). Gewalt macht die Seele krank. Wie Kinder als Zeugen, Opfer und Täter Gewalt erleben. Tiefeninterviews mit gewalttätigen Jugendlichen. EREV, Schriftenreihe 4/2005
  • Schnack, Dieter & Neutzling, Rainer (1990, 2000, 2010). Kleine Helden in Not. Jungen auf der Suche nach Männlichkeit.
  • Neutzling, Rainer (2019). In der Pubertät, allein und auf der Flucht. In: Jungen auf der Flucht. Gendergerechte Gesundheitsförderung für unbegleitete minderjährige männliche Geflüchete, BZgA (Hrsg.), Gesundheitsförderung konkret, Band 23


LW 4: Reflexiver und praxisnaher Umgang mit Diskriminierung in der Psychotherapie aus systemischer Sicht
Dr. Niels Braus/Philipp Kitta, Witten

Das Seminar sensibilisiert für Diversity, Machtverhältnisse und Diskriminierung im psychotherapeutischen Kontext aus systemischer Perspektive. Im Mittelpunkt stehen die Reflexion der eigenen sozialen Positioniertheit, möglicher Privilegien und blinder Flecken sowie deren Bedeutung für therapeutisches Handeln.
Anhand praxisnaher Fallbeispiele werden Diskriminierungs- und Machtdynamiken im Zusammenspiel von Patient*innen, Bezugspersonen, Institutionen und therapeutischem Setting analysiert. Ziel ist die Entwicklung einer diskriminierungssensiblen Haltung sowie konkreter Handlungsmöglichkeiten, etwa beim Ansprechen von Diskriminierungserfahrungen, im Einbezug von Bezugssystemen und im Umgang mit bagatellisierenden oder diskriminierenden Strukturen.
Abschließend werden Wege diskutiert, wie Diversity- und Diskriminierungsperspektiven langfristig stärker in Ausbildung und Praxis verankert werden können.

Literatur:

  • Hunger-Schoppe, C. (2024). Rassismusinformierte Familientherapie im Kinder- und Jugendbereich: Systematisches Review. Familiendynamik, 49(1), 26-37. doi: 10.21706/fd-49-1-26
  • Kaslow, N. J., Clarke, C., & Hampton-Anderson, J. N. (2024). Culturally humble and anti-racist couple and family interventions for African Americans. Family process, 63(2), 512–526. https://doi.org/10.1111/famp.12938
  • Neville, H. A., Monette, M., Lewis, J. T., & Safir, S. (2024). Shifting the gaze from racism to healing from racism: A systematic review of selected psychology journals from 1992 to 2022. American Psychologist, 79(5), 706–724. https://doi.org/10.1037/amp0001317


LW 5: Dissoziation: Diagnostik und therapeutische Herausforderung im Kindes- und Jugendalter
Dr. med. Andreas Krüger, Hamburg 

Dissoziative Störungszeichen gelten, neben der Posttraumatischen Belastungsstörung, in Fachkreisen als Trauma-Folgestörungen i. e. S., wenige Differentialdiagnosen betreffen andere Störungen als Ursache. Die Erfassung dieser Störungen im Kinder- und Jugendbereich ist herausfordernd, was die klinische Einschätzung angeht. Testpsychologische Verfahren liegen nur unzureichend vor. Auf altersbezogene Unterschiede beim Kind in der Entwicklung wird nicht hinreichend Bezug genommen.
Der Workshop will in einem in Forschung und Praxis bisher wenig beleuchteten Themenfeld der Kinder- und Jugendpsychotherapie und -psychiatrie praxisrelevante Impulse geben und Fachwissen für die praktische Anwendung vermitteln.

Literatur:

  • Krüger, A. & Reddemann, L. (3. Aufl. 2017). Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie für Kinder und Jugendliche. PITT-KID. Das Manual. Stuttgart: Klett-Cotta. (auch als bosnische Übersetzung erhältlich).
  • Krüger, A. (13. Aufl. 2025). Erste Hilfe für traumatisierte Kinder. Mannheim: Patmos. (auch als spanische, polnische und ukrainische* (*kostenfreies E-Book) Übersetzung erhältlich).
  • Krüger, A. (13. Aufl. 2025). Powerbook. Erste Hilfe für die Seele. Band 1. Trauma-Selbsthilfe für junge Menschen. Hamburg: Elbe & Krueger Verlag (www.elbekrueger.com). (auch als englische und ukrainische Übersetzung erhältlich)
  • Krüger, A. (6. Aufl. 2025). Powerbook special. Mehr Hilfe für die Seele. Band 2. Trauma Selbsthilfe für junge Menschen. Hamburg: Elbe & Krueger Verlag (www.elbekrueger.com).


LW 6: Mobbing im Wandel: Psychotherapeutische Arbeit im Spannungsfeld analoger und digitaler Lebenswelten bei Kindern und Jugendlichen
Dr. Nady Mirian, Berlin

Die fortschreitende Digitalisierung hat soziale Beziehungen nachhaltig verändert und neben neuen Kommunikationsmöglichkeiten auch neue Formen sozialer Ausgrenzung hervorgebracht. Cybermobbing betrifft immer mehr Kinder und Jugendliche und steht zunehmend im Mittelpunkt gesellschaftlicher Debatten. Studien zeigen einen deutlichen Anstieg betroffener Schüler*innen sowie erhebliche psychische Folgen wie Depressionen, Angststörungen oder soziale Isolation. Besonders belastend ist dabei die dauerhafte Verfügbarkeit digitaler Angriffe und die chronische Erfahrung von Entwertung im digitalen Raum.
Die psychotherapeutische Versorgung gerät dabei häufig an ihre Grenzen, da oftmals primär die Symptomatik behandelt wird, während die Erfahrungen von Mobbing und Cybermobbing selbst zu wenig Beachtung finden. Die Praxistage widmen sich daher den Herausforderungen, die analoge und digitale Lebenswelten für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie mit sich bringen, und diskutieren mögliche therapeutische Zugänge im Umgang mit Betroffenen.

Literatur:

  • Baum, J. (2015): Mobbing 2.0: Eine kultursoziologische Betrachtung des Phänomens
  • Cyber-Mobbing,Berlin:  Lit Verlag.
  • Mirian, N. (2020): Mobbing und Inklusion- ein empirischer Schulvergleich mit Blick auf konstruktivistsiche Präventionsmaßnahmen, Wiesbaden: Springer Verlag.
  • Teuschel, P. (2010): Mobbing: Dynamik, Verlauf, gesundheitliche und soziale Folgen. Stuttgart: Schatthauer Verlag.


LW 7: Sexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen – Einschätzen, Thematisieren, Intervenieren
Anne Brandenburg, Witten/Herdecke

Sexuelle Entwicklung gehört selbstverständlich zum Aufwachsen und ist in allen Entwicklungsphasen von Kindern und Jugendlichen von Bedeutung. Zugleich bietet das Thema noch viel Potenzial, im therapeutischen Alltag stärker berücksichtigt zu werden. In die-sem Workshop möchten wir gemeinsam entdecken, wie wir sexuelle Entwicklung offen, altersangemessen und selbstverständlich in die Kinder- und Jugendpsychotherapie integrieren können.
Wir beschäftigen uns damit, wann und auf welche Weise sexuelle Entwicklung für Diagnostik, Fallverständnis und Behandlung bedeutsam wird. Anhand praxisnaher Beispiele nehmen wir zudem in den Blick, wie Interventionsbedarfe erkannt und junge Menschen sowie ihre Bezugspersonen therapeutisch gut begleitet werden können.
Der Workshop lädt dazu ein, Berührungsängste abzubauen, neue Perspektiven zu gewinnen und mehr Sicherheit, Leichtigkeit und Neugier im Umgang mit diesem spannenden Themenfeld zu entwickeln.

Literatur:

  • van der Doef, S. (2015). Kleine Menschen – große Gefühle: Die sexuelle Entwick-lung von Kindern (0–12 Jahre) (V. Kiefer, Übers.). Beltz.
  • Quindeau, I., & Brumlik, M. (Hrsg.). (2012). Kindliche Sexualität. Beltz Juventa.
  • Stang, P., & Ondrejtschak, C. (2025). Sexualität in der Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter. Springer.
  • Wendt, E.-V. (2018). Die Jugendlichen und ihr Umgang mit Sexualität, Liebe und Partnerschaft. Kohlhammer.

 

Online-Workshops (8 UE)

Sonntag, 22. November 2026

09:00 – 16:30 Uhr

OW 1: Umgang mit Verschwörungsgläubigkeit und extremistischen Einstellungen im therapeutischen Setting  
Dr. Dorothee Scholz, Berlin

Statistisch gesehen existiert bei ca. 30% der Bevölkerung eine sog. "Verschwörungsmentalität",  40% weisen gruppenbezogen menschenfeindlichen Einstellungen auf. Es ist demnach wahrscheinlich, über kurz oder lang auch im therapeutischen Rahmen mit Patient:innen konfrontiert zu sein, die Verschwörungserzählungen bzw. menschenfeindlichen Ideologien anhängen oder eine beginnende Radikalisierung erkennen lassen. Da sich entsprechenden Positionen oft durch ein hohes Maß an Faktenresistenz und psychischer Funktionalität auszeichnen, stoßen v.a. kognitiv-verhaltenstherapeutische Methoden an ihre Grenzen – gleichzeitig bewegen sich solche Situationen auch in einem sensiblen Spannungsfeld zwischen therapeutischem Auftrag und humanistischem Werteverständnis seitens der Behandler:innen. Das angebotene Seminar soll Handlungsmodelle zum Umgang einhergehenden psychotherapeutischen Herausforderungen anbieten und gleichzeitig eine bessere Verstehbarkeit der psychologischen Mechanismen hinter den genannten Phänomenen herstellen. Aus der Behandlungspraxis und Zusammenarbeit mit spezialisierten Beratungsstellen (z.B. dem IZRD) abgeleitete Best-Practice-Strategien werden vorgestellt und mit Fallbeispielen illustriert, um eine entsprechende Handlungssicherheit im therapeutischen Alltag zu unterstützen. Im Anschluss steht die Dozentin allen Teilnehmenden für Fragen und einen gemeinsamen kollegialen Austausch zur Verfügung.  


OW 2: Extrem gut behandelt !?! – Bezugspersonengespräche in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutischen Arbeit 
Barbara Beck, Mönchengladbach

Stellen Sie sich vor: Sie sitzen in einem Cafè. Da sitzt bereits eine Familie. Genau die Familie, die zuvor bei Ihnen in Behandlung war. Sie hören, wie sich die Familie über die Therapiesitzung unterhält. Es fallen Begriffe wie „…Konfrontation …starke Gesprächsführung …kein Raum für Ausweichen …hartnäckig … unhöflich…frech … und trotz allem oder sogar deshalb also extrem gut behandelt. 
Das passt nicht? denken Sie vielleicht, wenn Sie sich an das ein oder andere Bezugspersonengespräch erinnern – an zäh verlaufene Prozesse, an Eltern, deren Interesse eben nicht das Wohl des Kindes ist. Ist das möglich? fragen Sie sich vielleicht, wenn Sie an die Bezugspersonen denken, die sich vor Ihnen streiten, die Sie angreifen, Sie entwerten oder auflaufen lassen.  
Bezugspersonengespräche sind ein wichtiger Bestandteil in der therapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Sie stellen oft die Weichen für einen gelingenden therapeutischen Prozess. Wie können Eltern dafür gewonnen werden, sich im Interesse des Kindes auf einen eigenen Entwicklungsprozess einzulassen?  

Dieses Seminar richtet sich an alle,

  • die sich manchmal im Elterngespräch überfordert fühlen
  • die keine Lust (mehr) auf streitende Eltern in der Praxis haben
  • die sich nicht (mehr) von einem Elternteil gegen das andere einspannen lassen wollen
  • die sich fragen, ob und wie sie die Eltern (noch) besser zur Mitarbeit gewinnen können

Wir werden uns beschäftigen mit den Herausforderungen in Bezugspersonengesprächen, mit der Gesprächsführung im Paarsetting, mit den Zielen von Elterngesprächen, mit einzelnen sofort umsetzbaren Methoden, mit Möglichkeiten, dysfunktionale Verhaltensweisen zu stoppen sowie schwierige Situationen besser zu verstehen und entspannter auf diese zu reagieren. Wir erlernen Möglichkeiten zur wohlwollenden Konfrontation sowie Fähigkeiten sich nicht in bestehende Dynamiken hineinziehen zu lassen. 
Grundlage hierfür ist eine therapeutische Haltung, die einen wachstums- und entwicklungsorientierten Blick auf die Gesprächspartner*innen beinhaltet.  

Literatur

  • Scharch, David (2020). Brain Talk Brain Talk: Wie wir das Gehirn nutzen, um uns selbst und andere bes-ser zu verstehen. Kösel Verlag.
  • Schnarch, David (2012). Intimität und Verlangen: Sexuelle Leidenschaft in dauerhaften Beziehungen. Klett-Cotta. 
  • Curriculum „differenzierungsfördernde Elterngespräche im Paarsetting führen“, entwickelt von Berit Brock-hausen Gründerin des IDA Instituts in Berlin: https://partnerschaftsberatung 

OW 3: Schemaklärung und -bearbeitung in der Klärungsorientierten Psychotherapie (KOP)
Rainer Sachse, Bochum

In der Klärungsorientierten Psychotherapie (KOP) geht es zentral um die Klärung und therapeutische Bearbeitung relevanter, dysfunktionaler Schemata. Diese Schemata müssen im Therapieprozess zunächst valide repräsentiert werden, was für Klient*innen in aller Regel schwierig ist. Die KOP hat dazu therapeutische Prozesse und Techniken entwickelt mit deren Hilfe ein/eine Therapeut*in die Klärungsprozesse von Klient*innen konstruktiv steuern kann. Diese Strategien sollen erläutert und anhand von Videomaterial demonstriert werden.
Die so geklärten Schemata müssen aber auch therapeutisch bearbeitet werden: Dazu hat die KOP das Verfahren des „Ein-Personen-Rollenspiels“ (EPR) entwickelt. Es ermöglicht ein effektives kognitives Disputieren relevanter Schemata, eine starke Motivierung von Kl. und  ebenfalls eine emotionale Bearbeitung.Diese Techniken werden vorgestellt und ebenfalls am Therapiebeispielen illustriert.

Literatur

  • Sachse, R. (2003). Klärungsorientierte Psychotherapie. Göttingen: Hogrefe.
  • Sachse, R., Püschel, O., Fasbender, J. & Breil, J. (2008). Klärungsorientierte Schemabearbeitung - Dysfunktionale Schemata effektiv verändern. Göttingen: Hogrefe.