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Ausführliche Beschreibung der Programminhalte

Eröffnungsvortrag (2 UE)

17. Juni 2027 (18:00 – 20:00 Uhr)

Rap – Rhythm and Poetry im therapeutischen Setting
Benjamin Hoeltje; Hamburg

Anhand von zwei Fallstudien aus dem Jugendstrafvollzug wird das Potenzial der Rapmusik zur Förderung emotionaler und mentaler Entwicklungsprozesse bei Jugendlichen mit Problemen der Spannungsregulation diskutiert. Im Fokus steht die stressreduzierende Wirkung von Rhythmus (Rapbeats) und dem Benutzen der Stimme als Instrument (Rappen), sowie das hierdurch entstehen von „Now Moments“ (Stern, 2004) als bedeutsame Begegnungsmomente zwischen Patient*in und Therapeut*in, die korrigierende emotionale Erfahrungen ermöglichen und den Aufbau einer tragfähigen therapeutischen Beziehung unterstützen. Video- und Audiobeispiele veranschaulichen zentrale Therapieprozesse und bilden die Grundlage für die fachliche Diskussion.

©fotalia.com/Rico K.

Beiprogramm (2 UE gesamt)

18. – 19. Juni 2027 (09:00 – 09:45 Uhr)

BP 1: Qigong: Die Rhythmen des Lebens in Einklang bringen
Ronald Beier; Rostock

Qigong, eine zentrale Disziplin der alten orientalischen Wissenschaft der Traditionellen Chinesischen Medizin, versteht den menschlichen Körper als ein dynamisches System aus ineinandergreifenden Prozessen. Jeder Prozess hat seinen eigenen Rhythmus, und jeder Rhythmus muss im Einklang mit dem Zweck des Prozesses und mit den anderen Rhythmen stehen, die im Geist, im Körper und im Kosmos erklingen, damit die Gesundheit erhalten oder wiederhergestellt werden kann. Durch meist langsame, wiederholte Bewegungssequenzen und bewusstes, oft synchronisiertes Atmen werden die inneren Taktungen harmonisiert, reguliert, synchronisiert und ausgeglichen. Die Praxis fördert eine Regulierung vegetativer Prozesse, stärkt die Körperwahrnehmung und ermöglicht ein Erleben zyklischer Muster, die sowohl physiologisch als auch emotional wirksam sind. Die beiden Vormittagsveranstaltungen bieten eine aktive Einführung in die Möglichkeiten, die Qigong bietet, den eigenen Lebensrhythmus durch achtsame Bewegung, synchronisierte Atmung und gezielte Körperhaltung in Einklang zu bringen.


BP 2: Morgenbewegung am Strand
Ralf Möller; Rostock

Alle Teilnehmenden können ein Bewegungsangebot im Freien erwarten, welches sich u.a. an den Grundrhythmen des Atmens und Pulsierens anlehnt.
Wind und Wellen geben wohl möglich ihre Rhythmen hinzu. Meine Idee ist es, sich zu spüren, den eigenen Rhythmus zu finden und den eigenen Raum für Aktivierung oder für Beruhigung zu eröffnen.

BP 3: Gemeinsam im Rhythmus – Trommeln als Raum für Begegnung und Resonanz
Nils Rabente; Bielefeld

In diesem Beiprogramm geht es um Resonanz, Wahrnehmung und gemeinsames Erleben – nicht über das Gespräch, sondern über Rhythmus, Körper und Klang. In kleinen Jams und einem gemeinsamen Drum Circle erkunden wir, was entsteht, wenn wir aufeinander hören, Impulse wahrnehmen und unmittelbar darauf reagieren. Ein Rhythmus kann aufgenommen, verändert, beantwortet oder durch den eigenen Körper weitergeführt werden. Wir etablieren einfache Rhythmen, kombinieren sie und lassen zugleich Raum für freies Agieren und spontane Impulse. Dabei steht nicht musikalisches Können im Vordergrund, sondern die Erfahrung von Verbundenheit, Selbstwirksamkeit und gegenseitiger Resonanz.


BP 4: Körper ist Rhythmus – Rhythmus ist Leben
Ines Wassermann; Reinshagen

Herzschlag, Atmung, das Pulsieren in jeder Zelle, in allen Organen und Geweben, im Gehirn, im Rückenmark – Pulsieren und rhythmisches Bewegen kennzeichnen Gesundheit und Lebendigkeit in unserem Körper. Ein gesundes und harmonisches Leben schwingt zwischen Wach- und Schlafrhythmus, Anstrengung und Erholung, ganz bei sich und im äußeren Umfeld aktiv sein, in ausgewogener Art und Weise. Künstliche Rhythmen von Maschinen, Uhren und Musik, die elektronisch erzeugt exakt-gleichförmige Rhythmen spielt, stressen unsere menschliche Natur, da natürliche Rhythmen von Herzschlag und Atmung ständig variieren, je nach Belastung und Bewegungstempo. Rhythmen der Natur: ein sanfter Wind, dem Spiel der Wellen zuschauen oder Blätterrauschen lauschen, helfen uns bei Entspannung und Regeneration, denn wir sind ein Teil der Natur, die ebenfalls Rhythmen variiert, beispielsweise nach Tages-, Nacht- oder Jahreszeit und Witterungsbedingungen.
Vor Ort erforschen wir in den Morgenstunden am 1. Tag unsere inneren Rhythmen von Atmung und Herzschlag in Wechselwirkung mit dem Meer. Unsere Wahrnehmung wird musikalisch durch Monochord und Oceandrum unterstützt. Tänzerischer Bewegungen zu den abwechselnd ruhigen und stürmischen Qualitäten des Wassers geleiten uns in einen wachen und aktiven Seinszustand, um energievoll in den Tag zu starten.
Am 2. Tag suchen wir die Verbindung zu Erde und Bäumen im Park, spüren Unterschiede im Vergleich zum Meer, atmen Halt und Vertrauen ein sowie Hast und Sorgen aus. Wieder wird Wahrnehmung und meditative Verinnerlichung von musikalischen Klängen (Koshi und Zenko) unterstützt. Ein Dankbarkeitstanz für die Erde mit Gitarrenbegleitung geleitet geerdet und gut gestimmt in den Tag.
 

©stock.adobe.com/540866882

Zweitägige Workshops (16 UE gesamt)

18. – 19. Juni 2027 (10:15 – 18:15 Uhr)

WS 1: Führen und Folgen – Körperübungen in der Paartherapie
Berit Brockhausen; Berlin

Nicht selten sind es Beziehungsprobleme, die Menschen in eine Psychotherapie führen. Der Vorteil des Paarsetting ist dann immens, denn das Paar berichtet nicht nur davon, was schwierig ist, sondern wir können es auch in Echtzeit beobachten und sofort mit der Problemaktualisierung weiterarbeiten. Die Einbeziehung von Körperinterventionen ermöglicht eindrucksvolle Bilder, die das Erleben ausdrücken, vertiefen und so mehr Klärung ermöglichen. Körper- und erfahrungsorientierte Interventionen bringen frisches und ganz unmittelbares Material zutage, mit dem weitergearbeitet und experimentiert werden kann. Ein spielerisches Element erweitert den Raum für Erfahrungen, und über das Ausprobieren entstehen Ideen und unmittelbare Lösungsmöglichkeiten. Körperinterventionen eröffnen den Zugang zu Ressourcen und implizitem Wissen. Immer wieder entstehen Momente der Begegnung im Paar, direkt, intensiv, ohne Erklärungen oder Rechtfertigungen. Im Zentrum des Workshops stehen konkrete und praktische Fragen:
Wie gelingt die Einbindung von Körperinterventionen in die therapeutische Arbeit mit Paaren? Wonach wird entschieden, welche Intervention angewendet wird? Was gilt es bei der Anleitung zu beachten? Wie werden die Erfahrungen exploriert, und wie sieht die therapeutische Integration der Erfahrungen aus?
All dies wird durchgängig gemeinsam ausprobiert, am eigenen Leib erfahren und praktisch geübt.

Literatur:

Petzold, H. G. (2002). Der „informierte Leib“ – „embodied and embedded“ als Grundlage der Integrativen Leibtherapie. POLYLOGE: Internetzeitschrift für „Integrative Therapie“. https://doi.org/10.23668/psycharchives.7311.
Roland Weber: Paare in Therapie (Leben Lernen, Bd. 191): Erlebnisintensive Methoden und Übungen.


WS 2: Wut, Scham, Stolz – Emotionen körperorientiert begegnen
Alexandra de Carvalho; Wuppertal

Emotionen äußern sich immer auch körperlich – sei es durch ein Erröten bei Scham, eine aufrechte Haltung bei Stolz oder das Zusammensinken bei Traurigkeit. In der Psychotherapie wird diese körperliche Ebene jedoch oft zu wenig aktiv genutzt. Dabei bietet das gezielte Ansetzen am Körper die Chance, emotionale Prozesse direkt zu beeinflussen, Gefühle differenzierter spürbar zu machen und festgefahrene emotionale Muster aufzubrechen. Dieser Workshop vermittelt die Grundlagen über das Zusammenspiel von Körper und Emotionen und stellt konkrete körperorientierte Interventionen vor. Sie lernen praxisnahe körperorientierte Interventionen für einzelne Emotionen kennen, die sich unkompliziert in die Einzel- und Gruppentherapie integrieren lassen. Anhand spezifischer Emotionen erarbeiten wir, wie Sie körperliche Ausdrucks- und Reaktionsmuster nicht nur erkennen, sondern gezielt durch körperliche Interventionen aufgreifen, verändern und therapeutisch nutzen können. Wie können wir gut mit Hilfe von Atmung oder Übungen aus dem Kampfsport begleiten und welche Embodiment-Strategie hilft uns bei Scham? Ergänzend wird thematisiert, wie Sie diese körperlichen Interventionen mit Ihren Patient*innen reflektieren, kognitiv nachbereiten und sicher im therapeutischen Alltag verankern – unter Berücksichtigung von Kontraindikationen wie Schmerz oder den Besonderheiten des Körpergedächtnisses bei Trauma. Zudem betrachten wir die Rolle der/des Therapeut*in: Sie erfahren, wie Sie Ihre eigene Körperwahrnehmung im Prozess nutzen und die vorgestellten Methoden auch als somatische Ressource für die eigene Selbstfürsorge und Regulation einsetzen können.

Literatur:

• Koemeda, M. (2019): Tanzen vor Freude, Zittern vor Wut: Sich von Gefühlen bewegen lassen. Ein Selbsthilfebuch mit körperpsychotherapeutischen Techniken. Beltz.
• de Carvalho, A. (2024): Therapie-Basics Körperpsychotherapie. Beltz.
• Geuter, U. (2018). Praxis Körperpsychotherapie: 10 Prinzipien der Arbeit im the-rapeutischen Prozess. Springer-Verlag.
• Langlotz-Weis, M. (2020). Körperorientierte Verhaltenstherapie. Ernst Reinhardt Verlag.


WS 3: Rapmusiktherapie – Rapmusik und die Akzeptanz und Commitment-Therapie (ACT) sinnvoll kombinieren
Benjamin Hoeltje; Hamburg

Rhythmus und Bewegung erleben, die eigene Stimme musikalisch ausprobieren, Reflexion über eigene Texte, Neues mutiges Verhalten ausprobieren und sich selbst und der Gruppe mit Bereitschaft, Fürsorge und Akzeptanz begegnen. In dem Workshop gibt es eine Einführung in die Entstehungsgeschichten und Hintergründe der Rapmusik und der Hip Hop Kultur, der Musiktherapie und der Akzeptanz- und Commitmenttherapie und er zeigt auf, wie Rapmusik therapeutisch und pädagogisch genutzt werden kann, um emotionale Verarbeitung, Beziehungsarbeit und die Förderung psychischer Flexibilität zu unterstützen. Hierbei soll, neben den positiven Wirkmöglichkeiten, aber auch die kritische Betrachtung dieser polarisierenden Musikrichtung Aufmerksamkeit erfahren. Auf Basis von ACT-Methoden wird geübt, eigene Texte zu schreiben, einen individuellen Beat dazu auszuwählen und erfahren wie es ist, selber zu rappen bzw. jemand anderen dabei zu unterstützen. Ein Raum für kreative Entfaltung, Reflexion und neue Impulse für die eigene Praxis – mit besonderem Augenmerk auf Resilienz und nachhaltige Selbstfürsorge.

Literatur:

Uhlig, S. (2006), Authentic Voices, Authentic Singing: A Multicultural Approach to Vocal Music Therapy, Gilsum: Barcelona
Hadley, S., Yancy, G. (2012), Therapeutic Uses of Rap and Hip Hop, Routledge, New York, London: Routledge
Cordshagen-Fischer, T., Fischer, J.-E. (2024), Therapie-Tools Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) mit Kindern und Jugendlichen, Weinheim, Basel: Beltz


WS 4: Atemtechniken zur Selbstregulation
Ulrich Ott; Gießen

Im Workshop werden vier Atemtechniken vermittelt, die von Klient*innen im Alltag als Werkzeuge zur Selbstregulation eingesetzt werden können, um sich zu beruhigen, zu fokussieren, zu balancieren und zu aktivieren. Zusätzlich zur praktischen Vermittlung werden die physiologischen Hintergründe erläutert, und es wird demonstriert, wie Biofeedback (Hautleitfähigkeit, Herzratenvariabilität) als didaktisches Hilfsmittel eingesetzt werden kann. Einen zweiten Schwerpunkt bildet das Erlernen einer atemzentrierten Meditation zur körperlichen Verankerung von therapeutischen Qualitäten: Ruhe und Gelassenheit; Wärme und Mitgefühl; Klarheit und Präsenz. Diese Meditation kombiniert mehrere wissenschaftlich fundierte Techniken und wurde speziell für die Selbstfürsorge und Psychohygiene in den Pausen zwischen Therapiesitzungen entwickelt.

Literatur:

Ott, U. (2021). Spiritualität für Skeptiker: Wissenschaftlich fundierte Meditationen für mehr Bewusstheit im Alltag. München: O. W. Barth.
Ott, U. & Epe, J. (2018). Gesund durch Atmen: Ein Neurowissenschaftler erklärt die Heilkraft der bewussten Yoga-Atmung. München: O. W. Barth.
Ott, U. & Vogler, J. M. (2026). Mentale Stärke statt Stress: Die wissenschaftlich fundierte Meditation für ein resilientes und sinnerfülltes Leben. München: O. W. Barth.

Siehe auch folgenden Fernsehbeitrag: https://www.3sat.de/wissen/scobel/scobel--magie-des-atmens-100.html


WS 5: Impro-ACT – Den Therapieprozess funktional navigieren
Ralf Steinkopff; Berlin

Wenn Du nicht sicher bist ...
ein/e gute/r Therapeut*in oder gar ACT-Anwender*in zu sein,
wirklich willkommen zu sein,
Dich auf der Tagung wohl zu fühlen,
den Therapieprozess gut navigieren zu können,

... dann ist der Workshop für Dich gemacht. In verschiedenen Runden werden wir gemeinsam Impro-Theaterspiele spielen, sie dann funktional erkunden und schließlich versuchen, sie auf Therapiesituationen anzuwenden. Der Workshop hat folgende Lernziele:

  • Lernen sich am besten (oder zumindest ziemlich gut) zum Affen zu machen
  • Das Gefühl bekommen, die schlimmste Peinlichkeit auf dieser Tagung hinter sich gebracht haben, so dass es nur besser werden kann
  • Den Zweck erkennen hinter diesem Schlamassel
  • Tiefere und niedrigere Verbindungen zu Anderen gewinnen
  • Bewusster durch das Leben navigieren, durch die Tagung, durch Therapien und andere Katastrophen
  • Wissen was man tut, wenn man in der Sitzung improvisiert

Vorkenntnisse sind unwesentlich, Basiskenntnisse in ACT sinnvoll, Bereitschaft zum Mitspielen und Erleben von ungewollten Gefühlen notwendig.

Literatur:

Villatte M, Villatte JL, Hayes SC. Sprache als psychotherapeutische Intervention. Ein Lehrbuch für die Praxis. Kohlhammer 2020

 

©DGVT/Schriftzug-Steine