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„Das kommt mir Spanisch vor!“ – Besonderheiten in der Therapie von Patient*innen mit Migrationshintergrund

Themenseminar

Können Sie sich vorstellen, wie ein japanischer Psychiater reagieren würde, wenn Sie ihm sagen würden, dass Sie sich nie allein fühlen, da Sie spüren, dass IhrSchutzengel immer bei Ihnen ist? Wenn Sie sich kurz überlegen, wie schwierig es sein könnte, aus dieser Situation herauszukommen, ohne ein Rezept für Neuroleptika zu bekommen, werden Sie verstehen, wie wichtig es ist, in der Behandlung von Patient*innen mit Migrationshintergrund interkulturelle Kommunikation zu beherrschen. Die Qualität der Kommunikation mit diesen Patient*innen hängt nicht nur von der Sprache ab. Wir müssen nicht nur die Wörter begreifen, sondern uns auf vielfältige kulturbedingte Gegebenheiten einstellen, um uns zu verständigen. Die Gefühle sind die gleichen, aber sie werden unterschiedlich ausgedrückt. Wenn wir diese Unterschiede nicht übersetzen können, werden wir uns missverstehen.

Alle Kulturen haben ein eigenes Bild davon, was psychische Belastung ist und welche Emotionen und Äußerungen (oft durch Somatisierung in der Gesellschaft) akzeptiert werden. Diese unterschiedlichen Äußerungen von psychischem Leiden werden außerhalb des eigenen Kulturkreises oft missverstanden. Auch hat jede Kultur eigene traditionelle „therapeutische“ Methoden, Ressourcen und Rituale, wie z.B.: Meditation, schamanistische Rituale, Trauergruppen, die Tänze der sich drehenden Derwische. Die aktuelle westliche Psychotherapie hat manche von diesen alten Methoden übernommen, was uns die Gelegenheit bietet, eine wirksamere Intervention durchzuführen, wenn der/die Patient*in sich mit der Behandlung vertraut fühlt.

Abgesehen von allen Unterschieden aufgrund der verschiedenen Herkunftsländer finden wir die Migration als gemeinsame Erfahrung. Ein tieferer Einblick in den psychischen Prozess der Anpassung nach einer Migration wird uns ermöglichen, Patient*innen besser zu verstehen und zu erreichen. Entwurzelung, Kulturschock oder Identitätskonflikte sind mit Migration verbunden.
Nicht nur auf gesamtgesellschaftlicher Ebene, sondern auch bei bikulturellen Paaren sowie bei Migrant*innen der zweiten Generation werden interkulturelle Konflikte innerhalb der Familie auftreten. Unterschiedliche Erwartungen und Werte werden miteinander konfrontiert werden, können Beziehungen erodieren und zu dauerhaften Spannungen führen.

Als Therapeut*innen in einer multikulturellen Gesellschaft sind wir immer wieder mit dieser Problematik konfrontiert. Dieses Seminar bietet eine praxisbezogene Einführung in die psychologischen Aspekte der Interkulturalität und der Migration mit zahlreichen Fallbeispielen.

Zielgruppe

Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Sozialtherapeut*innen

Lernziele

Einführung in die interkulturelle Kommunikation und Ethnopsychologie mit Bezug auf die Praxisarbeit.

Wesentliche Inhalte

  • Kulturwissenschaftliche Grundlage: Kollektive vs. Individualistische Gesellschaften, Familienkonstellation, Genderrollen, Integration vs. Assimilation
  • Psychoethnologie: Kulturspezifische Symptomatik und Störungen (ICD10), Ulysses-Syndrom, Problemlösungsstil, Bikulturelle Paare und Familien, Identitätskonflikt und -entwicklung, Fallarbeit
  • Interkulturelle Kommunikation in der Praxis: Erwartungen in der Therapie und die Beziehung Patient*in – Therapeut*in; 1., 2. und 3. Generation, Arbeit mit Dolmetscher, Rollenarbeit

Methoden

Kulturwissenschaft, Interkulturelle Kommunikation, Ethnopsychologie, Fallarbeit, Rollenarbeit

Umfang und Akkreditierung

Das Seminar umfasst 16 Unterrichtseinheiten. Ein Antrag bei der Landespsychotherapeutenkammer ist gestellt. In der Regel beträgt die Anzahl der Fortbildungspunkte mindestens die Anzahl der Unterrichtseinheiten.

Referent*in

Dr. Solange Otermin, Dipl.-Psych; Tübingen

Bei frühzeitiger Anmeldung erhalten Sie in den meisten Fällen einen Frühbucherrabatt. Weitere Informationen hierzu finden Sie in der jeweiligen Seminarbeschreibung.

Termine & Orte

Neue Termine befinden sich in Planung. Bitte schreiben Sie uns eine E-Mail an fortbildung@dgvt.de, um sich auf die Interessentenliste setzen zu lassen. Wir informieren Sie, sobald die Anmeldung wieder möglich ist.
Freie Plätze
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Ausgebucht

Beratung & Kontakt

Tel.: 07071 / 94 34 34
Fax: 07071 / 94 34 35
fortbildung@dgvt.de

Sprechzeiten
Di + Do 9:00 bis 12:00 Uhr
Di + Mi 14:00 bis 15:30 Uhr