Change it – Veränderungsprozesse in der Psychotherapie

Ausführliche Beschreibung der Programminhalte


Expertenvortrag (2 UE)

26. März 2020

EV 1: Imaginatives Überschreiben bei Angststörungen

Gitta Jacob, Hamburg

Imaginatives Überschreiben stößt – wie andere imaginative oder generell emotionsfokussierte Techniken auch – in der Verhaltenstherapie in den letzten Jahren zunehmend auf Interesse. Die Technik ist transdiagnostisch geeignet zur Reduktion einer breiten Palette negativer Emotionen. In der Therapie der Angststörungen hat sie sich insbesondere bei sozialen Ängsten und bei Ängsten mit starkem biografischen Bezug bewährt. Im Vortrag wird das therapeutische Vorgehen und der aktuelle Stand der Evidenz vorgestellt.

BV-Angebote (5 UE)

26. März 2020

BV 1: Neue Wege beschreiten – Online-Therapie

Miriam Biene, Bochum

Die Digitalisierung der Gesundheitsbranche nimmt sowohl im somatischen als auch im psychotherapeutischen Bereich stetig zu. Deshalb ist es für Psychotherapeut*innen enorm wichtig, nicht nur einen Überblick über die im Internet angebotenen Online-Interventionen und Beratungsangebote zu erhalten, sondern auch die Fähigkeit zu erlernen, unterstützende Online-Programme in ihren klinischen Alltag zu integrieren sowie eigene Online-Beratung anbieten zu können. Zu Beginn werden die verschiedenen Online- Beratungs- und Therapieangebote (Dia-logsysteme, Live-Interventionen, Selbsthilfeprogramme u. a.) vorgestellt und auf ihre Praxistauglichkeit hin diskutiert. Im Anschluss gibt eine Einführung in die Videosprechstunde, die seit April 2019 über die Gebührenordnung der KV abgerechnet werden kann.
Darüber hinaus wird eine rechtliche Einordnung im Kontext der Berufsordnung der Psychotherapeutenkammer und des Datenschutzes vorgenommen.
Ebenfalls wird eine Einstufung möglicher Patient*innen und Störungsbilder zur Durchführung eigener Online-Interventionen vorgenommen sowie die dafür benötigten technischen Voraus-setzungen erörtert. Im zweiten Teil des Workshops wird gezeigt, welche Fähigkeiten eine/n gute/n Online-Therapeut*in ausmachen. Die Workshop-Teilnehmer*innen werden die Möglichkeit erhalten das Erlernte in Live-Settings auf einer Videoplattform auszuprobieren und gemeinsam zu reflektieren.

BV 2: Update Berufsrecht für Psychologische Psychotherapeut*innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen

Kerstin Burgdorf, Tübingen; Barbara Köhler, Tübingen

Mindestens einmal im Jahr ändert der Gesetzgeber seit geraumer Zeit den rechtlichen Rahmen für Psychotherapie. Erfahren Sie in unserem Workshop Neuigkeiten, Konkretisierungen und Entwicklungslinien zum Berufsrecht, von den Patient*innenrechten über den Schutz des Kindeswohls bis zur Nutzung des Internets. Wir geben Ihnen zunächst einen allgemeinen Überblick und vertiefen dann verschiedene Themen aus unserer Beratungspraxis. Gerne können Sie uns im Vorfeld der Veranstaltung Ihre Fragen zum Berufsrecht zusenden.

BV 3: Approbation – was nun?

Tobias Büttner, Bonn

Im Seminar soll ein Überblick vermittelt werden, in welchen beruflichen Kontexten Psychologische Psychotherapeut*innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen Leistungen erbringen können, welche berufs- und sozialrechtlichen Regelungen zu beachten sind und welche aktuellen berufspolitischen Entwicklungen auf diese Bereiche einen Einfluss haben. Dabei wird die Situation sowohl im stationären als auch im ambulanten Sektor dargestellt und es werden die verschiedenen Formen der Leistungserbringung im Niedergelassenenbereich erläutert (u. a. Psychotherapie im Rahmen sog. Kostenerstattung). Zulassungsrechtliche Fragen stellen ebenfalls einen Schwerpunkt im Seminar dar (Praxiskauf, Jobsharing, Anstellung, Sonderbedarf).
 

BV 4: Test it – Testverfahren systematisch einsetzen und abrechnen

Anja Dresenkamp, Berlin; Sonja Stolp, München

Diagnostik und Qualitätssicherung rücken nicht zuletzt durch die psychotherapeutische Sprechstunde und Forderungen nach mehr Qualitätssicherung in der ambulanten Versorgung in den Fokus. In dem Workshop werden Handreichungen für den diagnostischen Prozess angeboten. Auf der Grundlage von Ergebnissen der Evaluation von Ausbildungstherapien werden lizenzfreie Testverfahren vorgestellt, die in der Praxis für Erwachsene sowie für Kinder und Jugendliche eingesetzt werden können. Abrechnungsmöglichkeiten für Niedergelassene im KV-System und unterstützende EDV-Programme für die Testauswertung werden zudem vorgestellt.

Neben lizenzpflichtigen Instrumenten wünschen sich Praktizierende zunehmend frei verfügbare, qualitativ hochwertige Instrumente für die Praxis. Es wird eine praktikable Auswahl an störungsspezifischen als auch störungsübergreifenden Instrumenten vorgestellt, die alle frei beziehen und einsetzen können. Zudem wird ein Vorschlag für den systematischen Einsatz der Verfahren vorgestellt. Bei der Abrechnung von Diagnostik im KV-System gibt es immer wieder Fragen und Fallstricke. Mit einer Übersicht soll aufgezeigt werden, wann im Therapieverlauf, mit welchen verschiedenen Verfahrensgruppen, wie oft in den Therapiephasen, bis zu welchen Obergrenzen und mit welchen Ziffern und Begründungen, Testdiagnostik im KV-System abgerechnet werden kann. Beispielhaft wird demonstriert, welche Abrechnungsmöglichkeiten sich durch regelmäßige Testdiagnostik ergeben. Bei Bedarf wird die in Ausbildungszentren und Praxen erprobte Software vorgestellt, mit der Testdiagnostik durchgeführt werden kann.

Literatur:

  • Dresenkamp, A. & Mauler, B. (2018). Therapieevaluation – Wie geht es Ihnen heute? In: S. Fliegel, W. Jänicke, S. Münstermann, G. Ruggaber, A. Veith & U. Willutzki (Hrsg.), Verhaltenstherapie. Was sie kann und wie es geht. Ein Lehrbuch (S. 789-815). Tübingen: dgvt-Verlag.

BV 5: Abrechnung – das Wichtigste aus EBM und GOP zusammengefasst

Nina Engstermann, Wetter (Ruhr)

Die Abrechnung psychotherapeutischer Leistungen stellt die Grundlage einer wirtschaftlichen Praxisführung dar. Aber sowohl für die Abrechnung mit Krankenkassen als auch mit Privatpatient*innen gibt es einiges zu beachten, um Fehler zu vermeiden. Dieser Workshop vermittelt Ihnen die wichtigsten Informationen zum Thema Abrechnung und gibt Ihnen Gelegenheit eigene Abrechnungsfragen zu stellen.

BV 6: Digitalisierung? Ja, aber nicht zu jedem Preis

Jens Ernst, Schwerte

Um IT sicher zu gestalten, müssen ALLE Angriffe auf ein System abgewehrt werden.
Nur ein einziger erfolgreicher Angriff kann zum Verlust, zur Offenlegung oder zur Manipulation von Daten, zu nicht funktionierender Infrastruktur, und damit zum Tod von Menschen führen.

Patientendaten sind im Moment für Hacker leicht zugänglich. Und das, obwohl die Gesundheitsdaten unsere intimsten Daten sind, die sogar über unseren Tod hinaus brisant bleiben.
Bereits im März habe ich aufgedeckt, dass die Telematik-Infrastruktur ( kurz TI) deutschlandweit größtenteils nicht so aufgebaut wurde und wird, wie sie vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) als sicher zertifiziert wurde…

Wir sprechen über…

  • die Fehler, die durch die DvOs in Praxen gemacht werden
  • allgemeine Probleme in den Praxen (PVS Systeme, WLAN etc.)
  • die Haftung, welche sich direkt aus den Fehlern ergibt
  • Wie kann man eine Anbindung sicher gestalten, wenn man sich anschließen lässt?

Ausführliche Beschreibung dieses Angebots siehe hier.



© Köln Tourismus GmbH, Axel Schulten

1,5 tägige Workshops (12 UE)

26.-27. März 2020

WS DF 1: Impact Techniken – Therapie mit allen Sinnen

Eva Barnewitz, Konstanz

In der therapeutischen Arbeit – unabhängig vom Störungsbild oder Anliegen – ist es häufig eine Herausforderung, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln und Patient*innen zur aktiven Teilnahme zu motivieren. Gespräche verlaufen länger als notwendig oberflächlich, Ideen bleiben theoretisch und abstrakt, und hilfreiche Konzepte erscheinen zu kompliziert. Die kreativen Techniken der Impact Therapie nach Dr. Ed Jacobs konkretisieren in kurzer Zeit Konzepte, schaffen so eine rasche Möglichkeit zur Gesprächstiefe, sprechen alle Sinne der Patient*innen an, aktivieren sowohl Therapeut*in als auch Patient*in und unterstützen sie in ihrer Lösungsfindung. Die Impact Therapie integriert dabei verschiedene psychotherapeutische Modelle, um den Patient*innen bestmöglich zu helfen. Basierend auf der Prämisse, dass Menschen am schnellsten und nachhaltigsten lernen, wenn all ihre Sinne angesprochen werden, wurden verschiedenste kreative Techniken entwickelt, um Veränderungsprozesse zu begleiten, Anliegen zu veranschaulichen, und Themen (be)greifbar werden zu lassen.
In diesem Workshop werden auf der Basis theoretischer Modelle zahlreiche kreative Techniken zu verschiedenen Störungsbildern und Anliegen vorgestellt und dabei viele Rollenübungen und Demonstrationen durchgeführt, welche die Fortbildungsteilnehmer*innen zur aktiven Teilnahme, zum „Ausprobieren“ und „Erfahren“ einladen. Es besteht die Möglichkeit zur persönlichen Refle-xion durch Einzelübungen und den Austausch mit anderen Workshopteilnehmer*innen.

Lernziele:
Am Ende des Workshops sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer

  • die grundlegenden Konzepte und die Grundhaltung der Impact Therapie kennen
  • kreative Techniken in verschiedenen Kontexten einsetzen können
  • ihre eigene Therapie und Beratung kreativer und multisensorischer gestalten können
  • den Mut haben, in der Arbeit mit ihren KlientInnen und Patient*innen Neues auszuprobieren.

Literatur:

  • Danie Beaulieu: Impact-Techniken für die Psychotherapie
  • Ed Jacobs & Christine Schimmel: Impact Therapy – The courage to counsel
  • Ed Jacobs, Christine Schimmel et al.: Group Counseling: Strategies and Skills

WS DF 2: Psychopharmakotherapie und Psychotherapie

Thomas Frittrang, Albstadt

Da viele Psychotherapie-Patient*innen auch Psychopharmaka einnehmen, werden im Seminar störungsbezogene medikamentöse Therapiestrategien vorgestellt und deren Stellenwert für die psychotherapeutische Behandlung erörtert. Neben Informationen zu Pharmakokinetik und Pharmakodynamik werden Anwendung und Indikationsbereiche folgender Substanzgruppen dargestellt: Antipsychotika (Neuroleptika), Antidepressiva, Stimmungsstabilisierer, Anxiolytika und Hypnotika sowie Psychostimulantien. Es werden Zielwirkungen, mögliche Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Anwendungsbeschränkungen aufgezeigt sowie Chancen und Problembereiche der Kombination von Psychotherapie und Psychopharmakotherapie beleuchtet. Dabei sollen auch psychologische Aspekte fokussiert werden, wie Wirkungserwartung, Veränderungsattribution, Placebo- und Noceboeffekte, Mythen und Ängste bei Psychopharmaka sowie die Problematik der Beipackzettel.
In versorgungspolitischer Hinsicht soll ferner auf die Verfügbarkeit der unterschiedlichen thera-peutischen Hilfen sowie die Allokation der Mittel eingegangen werden.     

Literatur:

  • Benkert, O. & Hippius, H. (Hrsg.): Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie. Springer-Verlag Berlin 2017
  • Vorderholzer, U. & Hohagen, F. (Hrsg.): Therapie psychischer Erkrankungen State oft the Art. Urban & Fischer München 2014
  • Weinmann, S. : Erfolgsmythos Psychopharmaka. Warum wir Medikamente in der Psychiatrie neu bewerten müssen. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2008

WS DF 3: Einführung in die Schematherapie

Hannah Hoppe, Köln

Die Schematherapie ist ein integratives, schulenübergreifendes Psychotherapieverfahren zur Behandlung komplexer, tiefgreifender psychischer Störungen. Sie verbindet verhaltenstherapeutische und psychodynamische Elemente und wird um Inhalte der Bindungsforschung und Neurobiologie ergänzt. Als Weiterentwicklung der kognitiven Verhaltenstherapie wird sie der „dritten Welle“ der Verhaltenstherapie zugeordnet und konnte bereits in verschiedenen Wirksamkeitsstudien sehr gute Effekte erzielen.
Zentrale Therapieprinzipien sind das Konzept der begrenzten elterlichen Fürsorge, der Einsatz eines einheitlichen metakognitiven Modells zur Prozess- und Selbstregulation, sowie die fokus-sierte Verwendung erlebnisaktivierender, kognitiver und übender Techniken.
In diesem Workshop sollen die Teilnehmer*innen durch den Einsatz von Rollenspielen, Demonstrationen, Videobeispielen und Kleingruppenarbeiten einen lebendigen Einblick in die Grundlagen und die Anwendung der Schematherapie nach Jeffrey Young erhalten. Der Workshop kann bei Interesse für die offizielle schematherapeutische Ausbildung, nach den Richtlinien der „International Society of Schema Therapy (ISST)“, angerechnet werden.

Literatur:

  • Jacob, G & Arntz, A (2011). Schematherapie in der Praxis. Weinheim: Beltz.
  • Roediger E (2016). Schematherapie. Grundlagen, Modell und Praxis. Stuttgart: Schattauer

WS DF 4: Der achtsame Umgang mit chronischen Schmerzen

Jörg Meibert, Essen

Die Idee, durch die Übung der Achtsamkeit, bei der es darum geht, den jetzigen Augenblick bewusst zu erleben, einen guten Umgang mit chronischen Schmerzen zu entwickeln, erscheint als große Herausforderung. Durch eine mitfühlende und achtsame Hinwendung zum Schmerz, die sukzessive erlernt werden kann, wird der Umgang mit dem sekundären Leid, von dem chronische Schmerzen oft begleitet werden, wie Grübeln, Ängste, Wut, Selbstvorwürfe, Unruhe, Widerstand und Verzweiflung wesentlich erleichtert. Dies wiederum kann sich positiv auf das Schmerzerleben auswirken, die Lebensqualität wird gesteigert und das Selbstwirksamkeitserleben erhöht. Hierzu gibt es strukturierte Schulungsprogramme wie MBSR oder MBPM, in denen genau dies geübt wird.

Im Workshop werden wir die folgenden Themen ansprechen:

  • Verkörperung der Haltung von Achtsamkeit angesichts von Leid und Schmerz (mit dem Schmerz sein anstatt gegen ihn anzukämpfen)
  • Grenzen der Achtsamkeit im Umgang mit chronischen Schmerzen (Kontraindikation)
  • Akzeptanz versus Ablenkung – wann ist was hilfreich?
  • Auseinandersetzung mit der Frage: wie können wir den Atem nutzen, um die Reaktionen auf Schmerz, die häufig in Anspannung und Stress münden, zu besänftigen?

Der Workshop gibt Raum für:

  • gemeinsames Praktizieren der Achtsamkeitsübungen
  • Austausch und Reflexion zu den Erfahrungen mit der eigenen Achtsamkeitspraxis
  • theoretischen Input zu Achtsamkeit und Schmerz, wissenschaftliche Evidenz
  • kollegialen Austausch, Impulse für den Alltag

Methoden:
Gemeinsame Meditationspraxis, theoretischer Input, Gruppendiskussion und kollegialer Austausch.

Literatur:

  • Der Achtsame Weg durch den Schmerz. Gardner-Nix. Arbor Verlag 2012
  • Gut leben trotz Schmerz und Krankheit. Vidyamala Burch. Goldmann Arkana 2009.
  • Schmerzen verstehen, Butler & Mosley. Springer 2005, 2. Auflage 2009



©Köln Tourismus GmbH, Dieter Jacobi

Tagesworkshops (7 UE)

27. März 2020 

WS FR 1: Behandlung von aggressiven Kindern mit Störung des Sozialverhaltens – Möglichkeiten und Grenzen

Kerstin Adrian, Köln

Kinder, die oppositionell-aggressives Verhalten zeigen, stellen immer wieder eine besondere Herausforderung für ihr privates Umfeld, aber auch für uns ambulante Psychotherapeut*innen dar. Schwierige, langwierige Verläufe mit unmotivierten, externalisierenden Patient*innen und kaum kooperierendem, teils konflikthaftem Umfeld – wer kennt das nicht?
Der Schwerpunkt des Seminars liegt nach einer kurzen Einführung in das Thema, die u. a. auch den aktuellen Stand bezgl. Symptomatik und Diagnostik umfasst, auf ambulanten verhaltenstherapeutischen Behandlungsansätzen von Kindern mit aggressivem Verhalten. Dabei werden insbesondere spezifische Herausforderungen im Umgang mit diesen Kindern in der therapeutischen Arbeit anhand von Fallbeschreibungen oder auch eigener Fälle reflektiert. Fokussiert werden auch im Rahmen des multimodalen Behandlungsansatzes Möglichkeiten und Grenzen der Elternarbeit.

WS FR 2: Einsatz von Hunden in der Verhaltenstherapie

Julia Brinkmann, Bielefeld

Hunde sind für viele Menschen ein Türöffner für soziale Kontakte. Sie kommunizieren klar und authentisch. Wie viele Tiere reagieren sie unmittelbar, sind verspielt und vorurteilsfrei und laden viele Menschen zu einem direkten körperlichen Kontakt ein. Hunde können dabei auf Grund ihrer Eigenschaften in besonderer Weise Sozialpartner für Menschen werden. Menschen sind obligate Sozialpartner von Hunden, ohne sie ist kein artgerechtes Leben möglich.
Während die tiergestützte Pädagogik und der Therapiehundeinsatz in Ergo- und Physiotherapie inzwischen zunehmende Verbreitung findet, sind die Veröffentlichungen zum Einsatz von Hunden in der Psychotherapie noch eher rar und beschränken sich auf wenige Studien. Dennoch zeigt die Erfahrung, dass ihr Einsatz in unterschiedlichen Phasen des therapeutischen Prozesses zu erstaunlichen Veränderungen führen kann.
Im Seminar sollen Überlegungen zum Einsatz von Hunden in der Psychotherapie beschrieben werden. Dabei geht es sowohl vor allem um grundsätzliche Faktoren, die für das Gelingen not-wendig sind (Auswahl eines geeigneten Hundes, Ausbildung von Tier und Therapeut*in, Psychohygiene, rechtliche Rahmenbedingungen, ...), als auch um Therapieplanung und den eigentlichen Einsatz.

WS FR 3: Einführung in transgenerationale Übertragungen

David Dickinson, Hamburg

Transgenerationale Übertragung, auch als transgenerationale Weitergabe bezeichnet, ist als Begriff in den letzten Jahren aufgrund der mehrgenerationalen Auswirkungen von Traumatisierungen bekannt geworden. Dadurch ist das in Deutschland mittlerweile geläufige Thema „Kriegskinder“ entstanden.

Zugleich zeigen neuere Forschungen, dass transgenerationale Übertragungen beträchtliche Auswirkungen auf die Entwicklung diverser Identitätsanteile des Menschen haben.

In diesem Workshop werden anhand von neuen Forschungsergebnissen die Auswirkungen der vorherigen Generationen auf die Identitätsentwicklung des Individuums dargestellt. Dabei wird auf den Themen Beziehungsmuster, Suchtverhalten und Delinquenz eingegangen.
Diskutiert sollten auch die Schnittstellen von transgenerationalen Übertragungen zu Modelllernen und epigenetischen Einflüssen.

WS FR 4: Einführung in die Behandlung komplexer dissoziativer Erkrankungen

Helga Mattheß, Duisburg

Traumatische Erfahrungen und dissoziative Phänomene stehen in einem engen Zusammenhang. Längerdauernde und frühe lebensgeschichtliche Traumatisierungen mit speziellen Bindungserfahrungen können zu einem komplexen Störungsbild führen, in dem gerade die dissoziativen Phänomene einen zentralen Stellenwert haben.
Obwohl Dissoziation als Symptom bereits vor weit mehr als 100 Jahren wissenschaftlich untersucht und beschrieben wurde, wissen wir bis heute nur wenig über die Hintergründe, wie und warum Menschen in belastenden Situationen direkt oder als Folge oft erst viele Jahre später dissoziative Phänomene erleben. Direkte Traumakonfrontation ist in den meisten Fällen kaum möglich, weil belastende Ereignisse in der frühen Kindheit liegen und oftmals nicht erinnert werden. Zumeist liegen auch Bindungsprobleme vor, die die therapeutische Allianz behindern können. Hilfreich in der Behandlung ist das Modell der Strukturellen Dissoziation (van der Hart, 2008), anhand dessen können Hilfestellung für gezielte psychotherapeutische Interventionen gegeben werden (Boon, 2013, Steel, 2017).
Gerade bei komplex traumatisierten Patient*innen müssen wir für gute Behandlungsergebnisse psychotherapeutische Methoden aller Schulrichtungen verwenden, seien es verhaltenstherapeutische, körperorientierte, hypnotherapeutische bzw. imaginative oder tiefenpsychologische bzw. psychodynamische Methoden. Oft stellt sich die Frage, welche Interventionen angemessen sind. Hierbei kann das Modell der strukturellen Dissoziation hilfreich sein, die passende Unterstützung für die Patient*innen zu finden. Wichtig ist stets die Frage, wie die Weiterentwicklung unserer Patient*innen am besten gefördert werden kann.
In diesem Workshop wird eine Einführung in die Theorie der Strukturellen Dissoziation gegeben. Es können auch praxisrelevante neurobiologische Forschungsergebnisse vorgestellt und diskutiert werden. Besonders soll der klinische Bezug zur phasenorientierten Therapie aufgezeigt werden.

Literatur:

  • Suzette Boon, Traumabedingte Dissoziation bewältigen: Ein Skills-Training für Klienten und ihre Therapeuten, 2013, Junfermann
  • Onno van der Hart, Das verfolgte Selbst: Strukturelle Dissoziation. Die Behandlung chronischer Traumatisierung, 2008, Junfermann

WS FR 5: Selbstwert, Selbstwirksamkeit und Selbstakzeptanz

Frauke Niehues, Gießen

Die Erhöhung des Selbstwerts ist ein Hauptanliegen vieler Klient*innen und hat großen Einfluss auf den gesamten Therapieerfolg. Der Umgang mit dem Thema gestaltet sich jedoch oft schwierig. Häufig hat man das Selbstwertgefühl des Klient*innen in einer Sitzung mit viel Energie aufgebaut, aber der Effekt ist bis zur nächsten Sitzung „verpufft“. Oder der/die Klient*in meldet rück: „Vom Kopf her weiß ich, dass ich etwas wert bin, aber ich kann es nicht fühlen“.
In dem Workshop wird ein neues Selbstwertmodell vorgestellt. Das Modell umfasst alle wichtigen Aspekte, die Einfluß auf das Selbstwertgefühl nehmen und setzt diese in Bezug zueinander. Es hilft, die Ursache der Schwierigkeiten besser zu erkennen und im Anschluß die Methodik zur Behebung der Schwierigkeiten punktgenau auszuwählen.
Natürlich bekommen Sie auch den Handwerkskoffer zum Modell. Dieser ist gefüllt mit vielen auf einzelne Aspekte des Selbstwertes zugeschnittene sowie übergreifende Methoden. Hierzu gehören Tipps und Tricks, wie Sie den/der Klient*in nicht nur kognitiv, sondern auch emotional erreichen, systemklärende Methoden, Impacttechniken, Metaphern, u. w.

Literatur:

  • Potreck-Rose/Jacobs: Selbstzuwendung, Selbstakzeptanz, Selbstvertrauen: Psychotherapeutische Interventionen zum Aufbau von Selbstwertgefühl aus der Reihe Leben lernen, Klett-Cotta Verlag

WS FR 6: Behandlung von Albträumen

Reinhard Pietrowsky, Düsseldorf

Alpträume kommen in der psychotherapeutischen Praxis relativ häufig vor und spielen bei Patient*innen mit Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) eine wichtige Rolle. Abgesehen vom Auftreten im Rahmen einer PTBS wurde ihnen bislang wenig Beachtung geschenkt. Entsprechend gibt es kaum etablierte Behandlungsverfahren. In dem Workshop sollen die Ursachen und vor allem die Behandlungsmöglichkeiten von Alpträumen vorgestellt werden. Ein Schwerpunkt wird die Darstellung eines manualisiertes Therapiekonzepts zur Behandlung von Alpträumen auf der Grundlage der Imagery Rehearsal Therapie (IRT) sein. Bei der IRT handelt es sich um ein imaginatives Verfahren, welches das Überschreiben (Rescripting) des ursprünglichen Alptraums in einen neutralen oder positiven Traum und das imaginative Einüben dieses neuen Traumskriptes beinhaltet, welches den ursprünglichen Alptraum überschreibt. Zudem werden durch die IRT die Selbstwirksamkeit und das Selbstvertrauen erhöht. Die IRT ist erwie-senermaßen geeignet zur Behandlung von idiopathischen und posttraumatischen Alpträumen. In dem Workshop wird anhand zahlreicher praktischer Übungen das IRT-Verfahren demonstriert und selbst angewandt.

Literatur:

  • Thünker, J. & Pietrowsky, R. (2011). Alpträume – ein Therapiemanual. Göttingen: Hogrefe
  • Thünker, J. & Pietrowsky, R. (2012). Effectiveness of a manualized imagery rehearsal therapy for patients suffering from nightmare disorders with and without a comorbidity of depression or PTSD. Behaviour Research and Therapy, 50, 558-564

WS FR 7: Alternative Behandlungsmöglichkeiten bei ADHS

Claudia A. Reinicke, Dresden

ADHS Kinder sind eine sehr spezielle, besonders originelle Klientel: für Eltern, Lehrer, Therapeut*innen und für sich selbst eine besondere Herausforderung. Was für andere Kinder auch gilt, benötigen diese Kinder in besonderem Maße: ein effektives Zusammenwirken der Menschen, die sie umgeben. In der heutigen Zeit ist das keineswegs eine Selbstverständlichkeit! Geänderte Systembedingungen machen Änderungen im System erforderlich!
In dem Workshop zeige ich, was ich in 27 Jahren therapeutischem Wirken mit diesen besonderen Menschen entwickelt habe: KIKOS – einen Kompass zur Integration komplexer Systeme.
Auf VT-Basis habe ich eine Essenz von besonders hilfreichen Techniken erprobt, die es deutlich erleichtern, Kind- Eltern und erweitertes Umfeld, z. B. Schule, unter einen Hut zu bekommen und deren Ressourcen gemeinsam zum Wohle aller, aber v. a. des Kindes, einzusetzen.
In dem Workshop wird gezeigt, wie durch Klopfen mit Kindern und deren Umgebung das Stresslevel erheblich gesenkt werden kann, wie durch eine Verknüpfung mit lösungsorientiertem Arbeiten mit dem gesamten System wieder ein freudvoller Alltag möglich ist. Dabei wird dargestellt, wie mit allen Beteiligten in unterschiedlichen Situationen für mehr Wertschätzung gesorgt werden kann und das betroffene Kind mehr Erfolge erlebt, indem auch der Blick der Umgebenden auf ADHS verändert wird. Neben prozessfokussierten Embodimenttechniken liegt dabei ein Fokus auf der zielorientierten Kommunikation zwischen allen Beteiligten, um so die Selbstakzeptanz auf allen Seiten zu verbessern und damit wieder ein entspannteres Klima zu schaffen. Ebenso soll gezeigt werden, wo die Grenzen lösungsfokussierter Kommunikation bei ADHSlern erreicht werden können und welche Alternativen dann noch zur Verfügung stehen.
In dem Seminar wird ein Überblick über die einzelnen Technikelemente gegeben, soweit nicht bereits bei allen Teilnehmer*innen vorhanden. Danach kann Kleingruppenarbeit zur Festigung dieser Elemente eingesetzt werden. Demonstrationen an eigenen Beispielen geben Anregungen zur parallelen Nutzung der einzelnen Elemente.

Literatur:

  • Claudia A. Reinicke (2015); Mit ADHS und Freude durch den Schulalltag; Heidelberg: Carl-Auer-Verlag
  • Claudia A. Reinicke und Michael Bohne (2019); Klopfen mit Kindern; Heidelberg: Carl-Auer-Verlag
  • Claudia Reinicke (2017) Resilienz bei schwerer Krankheit; Freiburg: Herder-Verlag.
  • Ben Furman( 2010);Twin Star- Lösungen vom anderen Stern; Heidelberg: Carl-Auer-Verlag

WS FR 8: Psychologische Resilienz: Wissenschaftliche Grundlagen und gezielte Basis-Übungen

Franziska van Hall, Oberstdorf

Die Prävention psychischer Erkrankungen wird heute sowohl in nationalen als auch globalen Gesundheitssystemen zunehmend priorisiert und unterstreicht somit das große Potential der Resilienzmedizin in Bezug auf die Förderung von Gesundheit. Trotz der Verschiedenheit der einzelnen Forschungsbefunde ließ sich bereits ein deutlicher Zusammenhang zwischen Resilienz und psychischer Gesundheit z. B. auch bei körperlich Erkrankten zeigen.
Als psychologische Resilienz wird insbesondere die Fähigkeit eines Individuums bezeichnet, sich erfolgreich an Stress, Traumata und Krisensituationen anzupassen. Unserem heutigen Verständnis zufolge unterliegt Resilienz einem prozesshaften Charakter; sie ist dynamisch und damit veränderbar und trainierbar. Dies kann therapeutisch wirksam genutzt werden, indem durch gezielte Interventionen bekannte Resilienzfaktoren adressiert und gefördert werden. Die gewonnene positive Gesundheitskompetenz (Veränderung von Einstellungen und Ansichten, neugewonnene Stärken und Ressourcen sowie Kompetenzen) stärkt den Therapieerfolg der Patient*innen und auch deren Lebensqualität nachhaltig.
Der Kompakt-Workshop bietet einleitend einen theoretischen Überblick über verschiedene Resilienzkonzepte sowie aktuelle Ansätze und Perspektiven der Resilienzforschung. Im Anschluss werden bekannte Resilienzfaktoren und -fähigkeiten anhand wirksamer, konkreter praktischer Übungen in Kleingruppenarbeit adressiert und erfahrbar gemacht. Diese Übungen können unkompliziert in die tägliche Arbeit mit Klient*innen und Patient*innen transferiert werden, um daraus eigene Resilienz abzuleiten und diese mittels gezielter Maßnahmen in den Alltag zu integrieren. Übergeordnetes Ziel ist dabei die Förderung einer Haltung der „Inneren Stärke“ durch Erfahrung von Selbstwirksamkeit.

Literatur:

  • Kalisch, R., Müller, M., & Tüscher, O. (2015). A conceptual framework for the neurobiological study of resilience. Behavioral and Brain Sciences, 38, E92
  • Fredrickson, B.L. (2004).The broaden-and-build theory of positive emotions. The Royal Society, 359, 1367–1377
  • Kalisch R: Der resiliente Mensch, Berlin Verlag, 2017

 


© Jens Korte, Köln Tourismus GmbH

Expertenvortrag (2 UE)

28. März 2020

EV 2: Komplexe Probleme brauchen komplexe Lösungen, oder nicht? Über Pragmatismus in der Behandlung von Traumafolgestörungen

Frank Neuner, Bielefeld

Traumafolgestörungen nach wiederholten und anhaltenden Traumatisierungen, wie Missbrauch, Kriegsgewalt und Folter, gehören zu den psychischen Störungen, die durch ein komplexes Bild an Symptomen und Beeinträchtigungen gekennzeichnet sind. Noch komplizierter wird die Situation bei Patientinnen und Patienten mit einem Fluchthintergrund, deren Symptome in einer Wechselwirkung mit ihren Herausforderungen im Exil stehen. Für diese Patientinnen und Patienten sind zudem die Versorgungsstrukturen schwer erreichbar. Dennoch können pragmatische Lösungsansätze in diesen Fällen hilfreich sein, um gleichzeitig viele Betroffene zu erreichen und eine Effektive Behandlung anzubieten.

Tagesworkshops (8 UE)

28. März 2020 

WS SA 1: Narrative Expositionstherapie (NET) – den Schrecken der Vergangenheit überwinden

Eva Barnewitz, Konstanz

Im Kontakt mit traumatisierten Menschen, insbesondere Geflüchteten, zeigen viele Menschen Verunsicherung darüber, was „Trauma“ bedeutet, wie es entsteht, und wie damit wirksam und hilfreich umgegangen werden kann. Die narrative Expositionstherapie ist ein evidenzbasiertes theoriegeleitetes Kurzzeitverfahren zur Behandlung von Überlebenden mehrfacher Lebensbedrohung, Naturkatastrophen, organisierter Gewalt, sexueller Gewalt, Misshandlung, Vernachlässigung und anderen schweren Traumatisierungen. Die Behandlung ist geeignet, implizite Gedächtnisrepräsentationen bei Betroffenen gezielt zu bearbeiten und zu rekonsolidieren. Dies ermöglicht eine neue Bedeutungszuschreibung und Integration der Lebenserfahrungen in den autobiographischen Gesamtzusammenhang, aktiviert die Ressourcen der Person und erlaubt korrigierende Beziehungserfahrungen im wertschätzenden und empathischen Kontakt. Es kommt auf diesem Wege zu einer Würdigung der Person und der Geschichte des Überlebenden. Durch den expliziten Testimony-Ansatz stützt NET darüber hinaus die Menschenrechtsarbeit.

Am Ende des Workshops werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer:

  • verstehen, wie eine Posttraumatische Belastungsstörung entsteht.
  • die Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung kennen und erkennen können.
  • möglicherweise vorhandene Berührungsängste zu traumatisierten Personen ablegen können.
  • die Wirkmechanismen der Narrativen Expositionstherapie als Behandlungsmöglichkeit für Überlebende multipler und komplexer Traumatisierung kennen.

Literatur:

  • M. Schauer, F. Neuner, T. Elbert (2005/2011) Narrative Exposure Therapy (NET). A Short-Term Intervention for Traumatic Stress Disorders. Cambridge/Göttingen: Hogrefe & Huber Publishers
  • Neuner F, Schauer M, Elbert T (2009/2013). Narrative Exposition. In A. Maercker (Ed.), Posttraumatische Belastungsstörungen. Heidelberg: Springer, pp 301-350.
  • Ruf, M., Schauer, M., Neuner, F., Schauer, E., Catani, C., & Elbert, T. (2012), KIDNET - Narrative Expositionstherapie für Kinder. In: M. Landolt, T. Hensel (Hrsg.) Traumatherapie bei Kindern und Jugendlichen. Göttingen: Hogrefe

WS SA 2: Beziehungsgestaltung und Widerstand

Martina Belz, Wädenswil/Schweiz

Das wohl konsistenteste Ergebnis der Psychotherapieforschung ist der positive Zusammenhang zwischen der Therapiebeziehung und dem Outcome. Die therapeutische Beziehung trägt zwar im Durchschnitt nur mittelstark zum Therapieergebnis bei, aber das gilt auch für die anderen Faktoren, wie die therapeutische Technik. Grund genug, diese Einflussquelle gut zu nutzen, und darüber hinaus gibt es einzelne Patient*innen, bei denen ein Therapieerfolg (oder Abbruch) mit der Beziehung steht oder fällt. Das Wissen um die Bedeutung der Therapiebeziehung nützt aber nichts ohne ein praktikables und wirksames Konzept zur Gestaltung der Therapiebeziehung: Die „Motivorientierte Beziehungsgestaltung“ ist ein solches Konzept. Auch wenn man als Therapeut*in technisch alles richtig macht, kann es in Therapien zu Widerstand (umgangssprachlich und nicht wertend gemeint) kommen, wenn durch das Vorgehen wichtige Pläne/Motive von Patient*innen bedroht werden. Widerstand äussert sich oft in der Beziehung, kann aber inhaltlich (Therapiethemen/-ziele), methodisch, oder aus der Beziehung bedingt sein. Die Plananalyse gibt einen guten Überblick über möglicherweise betroffene Motive, und das plananalytische Widerstandskonzept hilft, konkrete Widerstände zu verstehen. Ziel ist nicht, jeden Widerstand zu überwinden, aber ihn zu verstehen, wobei sich auch klar zeigen kann, dass Psychotherapie zu einem gegebenen Zeitpunkt kein gutes oder ausreichendes Mittel zur Problembewältigung ist. Widerstände zu begreifen kann eine wichtige Voraussetzung dafür sein, nicht in einen Beziehungsclinch mit Patient*innen zu kommen.

Literatur:

  • Belz, M. (2018). Beziehungsgestaltung. In S. Fliegel, W. Jänicke, S. Münstermann, G.Ruggaber, A. Veith, & U. Willutzki (Eds.), Verhaltenstherapie (pp. 77-112). Tübingen: dgvt-Verlag
  • Caspar, F. (2018). Beziehungen und Probleme verstehen. Eine Einführung in die psychotherapeutische Plananalyse (4. Aufl.). Bern: Hogrefe

WS SA 3: Individuelle Therapiegestaltung mit CBASP kennenlernen

Maria Kensche, Berlin

Hinter dem schwer einzuprägenden Begriff „Cognitive Behavioral Analysis System of Psycho-therapy” (kurz CBASP) verbirgt sich eine der interessantesten Entwicklungen der kognitiven Verhaltenstherapie der letzten Jahre. CBASP wird den psychotherapeutischen Verfahren der sogenannten „3. Welle der Verhaltenstherapie“ zugeordnet und gehört zu denjenigen Behandlungsansätzen, die vor allem das interpersonelle Verhalten von Patient*innen in den Fokus nehmen und sich dadurch von der klassischen kognitiven Verhaltenstherapie unterscheiden. Das Besondere von CBASP ist, dass es interpersonelle, kognitiv-behaviorale und psychodynamische Strategien in innovativer Weise integriert und damit schulenübergreifend arbeitet. CBASP wurde ganz spezifisch für Arbeit mit chronisch-depressiven Menschen entwickelt. Dieser Workshop gibt einen lebendigen Einblick in den Therapieansatz von CBASP zur Behandlung chronischer Depression. Die Teilnehmer*innen werden einerseits das Grundkonzept von CBASP kennenlernen. Anhand von Rollenspielen und konkreten Fallbeispielen wird gleichzeitig vermittelt, wie jede/-r Therapeut*in bestimmte CBASP-Strategien auch einzeln oder integriert nutzen kann, um die individuelle Arbeit mit depressiven Patient*innen effektiver zu gestalten.

Literatur:

  • McCullough J.P. (2000) Treatment for Chronic Depression. Cognitive Behavioral Analy-sis System of Psychotherapy. New York: Guilford Press
  • Kensche M, Schweiger U, Klein P (2014) Störungsorientierte Behandlung der chroni-schen Depression nach dem CBASP-Konzept (Translation: `Treatment for Chronic Depression: Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy, CBASP`). PSYCH up2date 8.
  • McCullough JP Jr, Schramm E, Penberthy JK (2015) CBASP – Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy: Chronische Depressionen effektiv behandeln. Junfermann Verlag, Paderborn

WS SA 4: Psychotherapie im Alter

Eva-Marie Kessler, Berlin; Christina Tegeler, Berlin

In der „Gesellschaft des längeren Lebens“ gewinnt Psychotherapie im Alter zunehmend an Bedeutung. In der Veranstaltung soll es um Besonderheiten in der psychotherapeutischen Arbeit mit alten und sehr alten Menschen gehen. Im Fokus steht dabei insbesondere die sich verändernde Ressourcen- und Bedürfnislage von Menschen im hohen und sehr hohen Alter (z. B. zunehmende Bedeutung von Wohlbefinden), intergenerationelle Dynamiken zwischen alten Patient*innen und jüngeren Therapeut*innen sowie Besonderheiten des Behandlungssettings (z. B. aufsuchende Psychotherapie bei pflegebedürftigen Menschen). Zur Vertiefung theoretischer Aspekte bietet die Veranstaltung Raum für gemeinsame Reflexion und Fallarbeit.

Literatur:

  • Kessler, E.-M. & Tegeler, C. (2018). Psychotherapeutisches Arbeiten mit alten und sehr alten Menschen. Psychotherapeut, 63(6), 501–518.
  • Zeitschrift Psychotherapie im Alter. Psychoszial Verlag

WS SA 5: Behandlung von Posttraumatischer Belastungsstörung mit Cognitive Processing Therapy

Julia König, Eichstätt

Die Cognitive Processing Therapy (CPT) ist eine der am besten empirisch untersuchten und in ihrer Wirksamkeit belegten kognitiv-behavioralen Behandlungen für PTBS. Durch die Verwendung bewährter KVT-Methoden ist sie leicht zu lernen und das manualisierte Vorgehen gibt Sicherheit und erlaubt gleichzeitig die nötige Flexibilität. Eine Besonderheit der CPT ist die Annahme, dass verschiedene kognitive Mechanismen bei der Verarbeitung von traumatischen Ereignissen wirksam werden können. Dies sind Assimilation und (Über-)Akkommodation, die zumeist gleichzeitig vorliegen, aber unterschiedlich behandelt werden sollten. Die Traumaexposition und ein großer Teil der kognitiven Arbeit erfolgen teilweise schriftlich. Dabei liegt der Fokus auf der kognitiven Arbeit an dysfunktionalen Gedanken (sogenannten stuck points); die Expositionskomponente ist vergleichsweise kurz und kann nach neueren Ergebnissen auch weggelassen werden (Resick et al., 2008). Am Ende der Behandlung wird den Themenbereichen Sicherheit, Vertrauen, Macht und Kontrolle, Wertschätzung, und Intimität und Selbstfürsorge je eine Sitzung gewidmet, um stuck points in diesen Bereichen aufzuspüren und zu bearbeiten.

In diesem Workshop wird zunächst ein Überblick über den kompletten Ablauf der CPT gegeben, um dann auf wichtige Bausteine vertieft einzugehen wie die Psychoedukation, die Theorie und Ausgestaltung der kognitiven Arbeit, und die Exposition. Manualisiertes Arbeiten hat Vor- und Nachteile, kann als stressreduzierend oder stressinduzierend wahrgenommen werden. Das Thema „Flexibilität und individuelle Anpassung im Rahmen der manualisierten Arbeit“ zieht sich daher durch den Tag.

Literatur:

  • König, J., Resick, P. A., Karl, R. & Rosner, R. (2012). Posttraumatische Belastungsstö-rung. Ein Manual zur Cognitive Processing Therapy. Göttingen: Hogrefe
  • Resick, P. A., Galovski, T. E., Uhlmansiek, M. O., Scher, C. D., Clum, G. A. & Young-Xu, Y. (2008). A randomized clinical trial to dismantle components of cognitive processing therapy for posttraumatic stress disorder in female victims of interpersonal violence. Journal of Consulting and Clinical Psychology 76 (2), 243-258.

WS SA 6: Pathologischer Mediengebrauch / Pathologische Computerspiel- und Internetnutzung

Kai Müller, Mainz

Unter dem Begriff Internetbezogene Störungen werden verschiedene Onlineaktivitäten zusammengefasst, die exzessiv ausgeführt werden, sich ganz oder größtenteils der bewussten Kontrolle Betroffener entziehen und in der Folge zu negativen Konsequenzen und Leidensdruck führen. Insbesondere hinsichtlich der Nutzung von Online-Computerspielen, aber auch Online-Pornographie und sozialen Netzwerken finden sich vermehrt Betroffenenzahlen deren Symptome jenen klassischer Substanzabhängigkeiten ähneln.
Internetbezogene Störungen kommen sowohl als eigenständiges Störungsbild vor, treten aber darüber hinaus auch häufig als komorbide Phänomene bei einer vorbestehenden Störung auf. Diesen Umstand gilt es in Diagnostik und Therapie zu beachten. Der Workshop zielt darauf ab, einen umfassenden Einblick in die Diagnostik internetbezogener Störungen zu gewähren und vertieft verhaltenstherapeutische Elemente eines störungsspezifischen Behandlungsprogramms vorzustellen.

Literatur:

  • Wölfling, K. & Müller, K.W., Dreier, M., Ruckes, C., Deuster, O., Batra, A., Mann, K., Mu-salek, M., Schuster, A., Lemenager, T., Hanke, S. & Beutel, M.E. (2019). Efficacy of Short-term Treatment of Internet and Computer game Addiction (STICA): A multicenter randomized controlled trial. JAMA Psychiatry, epub ahead of print, doi:10.1001/jamapsychiatry.2019.1676.
  • Wölfling, K., Jo, C., Bengesser, I., Beutel, M.E. & Müller, K.W. (2013). Computerspiel- und Internetsucht – Ein kognitiv-behaviorales Behandlungsmanual. Stuttgart: Kohlhammer.
  • Müller, K.W. & Wölfling, K. (2017). Pathologischer Mediengebrauch und Internetsucht. Stuttgart: Kohlhammer

WS SA 7: „Morgen, Morgen nur nicht heute …“ – Überwindung chronischen Aufschiebeverhaltens

Solange Otermin, Nürtingen

Das Wort Prokrastination wird von den Medien immer ofter benutzt, um die dysfunktionale Aufschiebensverhalten zu benennen. In Psychologie versteht man es als den absichtlich verspäte-ten Beginn oder das absichtlich verspätete Beenden einer wichtigen Aufgabe (McCown und Roberts, 1994). Wer chronisch aufschiebt, scheint jemand zu sein, der es zwar ändern möchte, aber weder die Selbstdisziplin noch den Antrieb hierzu hat. Ist dann die Prokrastination ein Euphemismus für Faulheit? Wenn es um reine Bequemlichkeit ginge, könnten wir nicht klären, wieso so viele Leute das Fahrrad reparieren statt die Steuererklärung auszufüllen. Die Prokrastination ist ein komplexes Phänomen und zeigt häufig dazu eine komorbide Symptomatik. Die Prokrastination kann viele Folgen nach sich ziehen, die von den Betroffenen als belastend erlebt werden. Die Leistung, das Wohlbefinden, der Schlaf und die sozialen Kontakte können dadurch beeinträchtigt werden, bis zu gravierenden Lern- und Arbeitsstörungen führen.
Dieser Workshop bietet eine vertiefte Erklärung des Konzepts und der Grundlagen der Prokras-tination sowie Einblicke in die Interventionstechniken. Das Ziel dieser beinhaltet, dass die Betroffenen lernen, ihr Verhalten wieder unter Kontrolle zu bringen, um ihre Leistungen und vor allem ihre Lebensqualität zu steigern.

Literatur:

  • Ferrari J. R., Johnson J. L., McCown W. G. (1995) Procrastination and Task Avoidance, Theory, Research, and Treatment, New York, U.S.A., Plenum Press
  • Otermin-Cristeta, S., & Hautzinger, M. (2018). Developing an intervention to overcome procrastination. Journal of prevention & intervention in the community, 46(2), 171-183.
  • Steel, P. (2007). The nature of procrastination: A metaanalytic and theoretical review of quintessential self-regulatory failure. Psychological Bulletin, 133, 65-94.

WS SA 8: Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) als prozessbasierte und -orientierte Psychotherapie

Mareile Rahming, Berlin

ACT ist eine transdiagnostische und integrative Form der Verhaltenstherapie, die vor allem auf die Aktivierung und Initiierung von Prozessen im Rahmen von Erleben und Verhalten zur Erweiterung des Verhaltensrepertoires mit größtmöglicher Flexibilität fokussiert.

Kernstrategien des Akzeptanz- und Commitment-orientierten Vorgehens sind:

  • die Förderung der Bereitschaft, schmerzvolles Erleben anzunehmen,
  • die Entwicklung von wirkungsvollem Handeln, das sich auf das richtet, was dem/der Klient*in wirklich wichtig ist.

Die Kernprozesse, die flexibles und aktives Erleben und Verhalten aus ACT-Sicht ausmachen, sind: Gegenwärtigkeit im aktuellen Moment, Bereitschaft und Offenheit gegenüber innerem Erleben, kognitive Distanz, die Fähigkeit Ich-bezogene Perspektiven zu wechseln, Werte-Kenntnis und -Orientierung sowie werte-engagiertes Handeln. Das therapeutische Interventionsrepertoire umfasst erlebnisaktivierende Übungen, Rollenspiele, Imagination, Achtsamkeitspraxis, Exposition u. v. m. Es beinhaltet auch Interventionen, die zum Teil aus anderen psychotherapeutischen Schulen (z. B. der klassischen Verhaltenstherapie, Schematherapie, Gestalttherapie u. a.) bekannt sind, jedoch in ihrer Funktionalität auf die Prozesse psychischer Flexibilität ausgerichtet werden. Das therapeutische Vorgehen ist prozessorientiert und dynamisch. Die therapeutische Haltung ist gekennzeichnet vom Commitment der/s Therapeut*in für die Werte des/der Patient*in/Klient*in, von Präsenz im therapeutischen Kontakt, einer wertschätzenden und offenen Haltung gegenüber dem Leiden des/der Patient*in wie auch dem eigenen Leiden gegenüber.
Im Workshop werden verschiedene Modelle der Konzepte und Prozesse der ACT vorgestellt (z.B. Hexaflex, ACT-Matrix) und mit vielen Übungen der Umgang mit typischen inflexiblen Mustern im Rahmen von „Störungen” (als Manifestationen von Inflexibilität und Rigidität) auf „ACT-Art“ verdeutlicht und trainiert. Es werden Bezüge hergestellt zu S. Hayes’ und S. Hofmanns „Process Based Therapy” sowie K. Grawes „Psychologische Therapie”, der Bezugsrahmen-theorie (Relational Frame Theory, RFT) von Hayes & Brownstein et al. als Theorie über Sprache und Kognition sowie dem funktionalen Kontextualismus (functional Contextualism, FC) von Biglan, Hayes et al. als Theorie über kontextabhängiges Erleben und Verhalten, die die theore-tischen Grundlagen der ACT bilden. Der Workshop beinhaltet Übungen in Selbsterfahrung – eine grundlegende Bereitschaft der Teilnehmer*innen dafür sollte vorhanden sein. Eigene Fälle sind erwünscht.

Literatur:

  • Hayes, Strosahl & Wilson, Akzeptanz- & Commitment-Therapie, 2014 , Paderborn: Junfermann
  • Luoma,  J.,  Hayes S. & Walser, R., ACT Training, 2009, Paderborn: Junfermann
  • Harris, R., ACT leicht gemacht, 2011/4, Freiburg: arbor
  • Eifert, ACT, Fortschritte der Psychotherapie, 2011, Göttingen: Hogrefe
  • Wengenroth, M., Therapietools Akzeptanz und Commitment-Therapie, 2. Auflage 2017, Belz

WS SA 9: Veränderung maladaptiver emotionaler Kernprozesse in der Emotionsfokussierten Therapie

Philipp Schott, Celle

Die Emotionsfokussierte Therapie (EFT) nach Leslie S. Greenberg ist ein wissenschaftlich fun-diertes Therapieverfahren, das aus der Psychotherapieprozessforschung hervorgegangen ist und die Arbeit mit Emotionen in den Mittelpunkt der Therapie stellt. Hierzu bietet sie Therapeut*innen wirksame, empirisch basierte Strategien und Techniken zur Orientierung an.
Aus der mittlerweile jahrzehntelangen Prozessforschung hat die EFT wichtige Erkenntnisse darüber generiert, welche Veränderungsprozesse erfolgreichen Therapieverläufen zugrunde liegen. So tritt produktives, mit positivem Therapieergebnis in Zusammenhang stehendes emo-tionales Erleben nicht als isoliertes Veränderungsereignis auf, sondern entfaltet sich vielmehr in einer vorhersehbaren Sequenz emotionalen Erlebens. Auch lassen sich schematisch organisierte maladaptive Emotionen nur verändern, wenn sie während ihrer Aktivierung mit adaptiven emotionalem Erleben („changing emotion with emotion“) in Verbindung gebracht werden, die sie in ihrer Wirkung aufheben.
Die Teilnehmer*innen bekommen Wissen über wichtige therapeutische Orientierungssysteme vermittelt, z. B. Emotionsdiagnostik, Merkmale produktiver emotionaler Verarbeitung sowie Marker dafür, dass bestimmte therapeutische Aufgaben (z.B. der Zwei-Stuhl-Dialog) indiziert sind. Sie erhalten eine Einführung in die Grundlagen der Emotionsfokussierten Therapie und bekommen einen Überblick über Strategien und Methoden das emotionale Erleben zu vertiefen, mit schmerzhaften, dysfunktionalen Emotionen zu arbeiten und adaptive Emotionen zu fördern. Bereitschaft zur Selbsterfahrung wäre schön. Da einige Videos auf Englisch gezeigt werden, sind (passive) Englischkenntnisse hilfreich.

Literatur:

  • Auszra, L., Herrmann, I. & Greenberg, L. S. (2017). Emotionsfokussierte Therapie: ein Praxismanual. Göttingen: Hogrefe
  • Böcker, J. (2018). Emotionsfokussierte Therapie. Paderborn: Junfermann
  • Greenberg, L.S. (2016). Emotionsfokussierte Therapie. München, Ernst-Reinhardt

WS SA 10: Stuhldialoge in der Psychotherapie

Laura Seebauer, Freiburg

Stuhldialoge stellen eine klassische, emotionsfokussierte psychotherapeutische Technik dar, die in viele Therapieansätze integriert werden können. Dabei werden Anteile oder Emotionen des/der Patient*in, Personen aus Gegenwart oder Vergangenheit oder Konflikte des/der Patient*in mit Hilfe von Stühlen dargestellt und in einen heilsamen Prozess gebracht. Der Workshop umfasst einen Überblick über verschiedene Anwendungsfelder für Stuhldialoge und eine theo-retische Einführung in die Durchführung der Technik sowie typische Schwierigkeiten. Mit Hilfe von Demonstrationen im Plenum erleben die Teilnehmer*innen eine empathische Begleitung und Lenkung von Stühle-Arbeit durch den/die Therapeut*in. Ein Fokus liegt auf der Konfrontation von strafenden, selbstabwertenden Anteilen im Rahmen eines Stuhldialogs. Darüber hinaus wird schwieriges Interaktionsverhalten bei der Arbeit mit inneren Anteilen thematisiert und bearbeitet. Die gewonnenen Kenntnisse werden durch Übungen in Kleingruppen gefestigt.

Literatur:

  • Fassbinder, E., & Jacob, G. (2014). Stuhldialoge in der Psychotherapie. Weinheim: Beltz Video-Learning
  • Hedlund, S. (2011). Mit Stift und Stuhl. Illustrationen und Stuhlübungen für Psychotherapie, Beratung und Coaching. Heidelberg: Springer
  • Jacob, G. & Arntz, A. (2011). Schematherapie in der Praxis. Weinheim: Beltz

WS SA 11: Perfektionismus – vielfältige Erscheinungsformen und Interventionsmöglichkeiten

Nils Spitzer, Gladbeck

Besser werden! Die Überzeugung, dass eine „perfectibilité de l’homme“ möglich ist, gilt als eines der zentralen Versprechen der gesamten Moderne an ihre Zeitgenoss*innen: Der Mensch kann vervollkommnet werden. Unter dem Begriff Perfektionismus beschäftigen sich die therapeutische Forschung und die Pop-Psychologie mit den negativen Folgen, wenn dieses Streben nach Selbstverbesserung auf systematische Weise verrücktspielt.
Die Reihe der psychischen Probleme, mit denen Perfektionismus in Zusammenhang gebracht wird, verlängert sich dabei immer mehr: Depression, Ess- und Zwangsstörung oder das chronische Erschöpfungs-Syndrom ebenso wie Selbstmordgedanken, Grübeln und Burnout.
Immer wieder wird vorgeschlagen, klinischen Perfektionismus, also ein dysfunktionales Perfektionsstreben, therapeutisch direkt anzugehen, gerade bei mehreren komorbid vorliegenden Störungen, um transdiagnostisch in allen Problembereichen eine Verbesserung zu erreichen.
Der Workshop führt in die wichtigsten, teilweise widersprüchlichen Konzepte von Perfektionismus ein, versucht seine transdiagnostische Rolle bei verschiedenen psychischen Störungen deutlich zu machen, bietet typische Fallbeispiele und Übungen für die Exploration zentraler perfektionistischer Facetten sowie für zentrale Interventionen.

Literatur:

  • Shafran, R. Egan, S. & Wade, T. (2010). Overcoming Perfectionism. A self-help guide using Cognitive Behavioral Techniques. London: Constable & Robinson
  • Spitzer, N. (2017). Perfektionismus überwinden. Müßiggang statt Selbstoptimierung. Berlin: Springer

WS SA 12: MSC Mindful Self-Compassion – die Kraft des achtsamen Selbstmitgefühls nutzen

Arve Thürmann, Berlin

Mindful Self Compassion (MSC) ist ein Training, das speziell dafür entwickelt wurde, die Fertigkeit des Selbstmitgefühls zu kultivieren. MSC basiert auf den Forschungen von Dr. Kirstin Neff und dem Fachwissen von Dr. Christopher Germer. MSC bringt Teilnehmer*innen die wesentlichen Prinzipien und Praktiken bei, um schwierige Momente im Leben mit Güte, Fürsorge und Verständnis begegnen zu können.
Selbstmitgefühl kann jeder erlernen – sogar Menschen, die wenig Zuneigung in der Kindheit erfahren haben oder für die es sich unangenehm anfühlt, freundlich zu sich zu sein. Selbstmit-gefühl ist eine mutige geistige Haltung, die uns widerstandsfähiger gegenüber Schaden macht, auch dem Schaden, den wir uns unwillentlich selbst zufügen, indem wir uns selbst verurteilen, uns zurückziehen und in selbstbezogenes Grübeln verfallen. Selbstmitgefühl gibt uns die emotionale Stärke und Widerstandsfähigkeit, um uns unsere Unzulänglichkeiten einzugestehen, um uns mit Güte zu motivieren, um uns zu vergeben wenn nötig, um mit ganzem Herzen mit anderen in Beziehung zu treten und um auf authentische Weise wir selbst zu sein.
Stetig zunehmende Forschungsbefunde zeigen, dass größeres Selbstmitgefühl deutlich mit mehr emotionalem Wohlbefinden, weniger Angst, Depression und Stress und einem Aufrechterhalten von gesunden Lebensweisen, wie Ernährung und Sport und zufriedenstellenden Beziehungen einhergeht.

Was Sie erwartet:
Im Workshop werden Sie ein paar Übungen des MSC Trainings in Selbsterfahrung kennenler-nen. Wir werden einzelne Übungen des Programms erkunden und uns darüber in der Gruppe austauschen. Das Ziel ist es, den Teilnehmer*innen eine erste direkte Erfahrung von Selbstmitgefühl zu ermöglichen, um dann die ein oder andere Übung in die eigene Arbeit mit Klient*innen zu integrieren.

Literatur:

  • Christopher Germer, Teaching the Mindful Self-Compassion Programm: A Guide for Professionals, GuilfordPress
  • Christopher Germer, The Mindful Self-Compassion Workbook, GuilfordPress
  • Christopher Germer, Der Achtsame Weg zum Selbstmitgefühl
  • Kristin Neff, Selbstmitgefühl entwickeln, Schritt für Schritt, Arbor Verlag
  • Christine Brähler, Selbstmitgefühl entwickeln, Scorpio

22. DGVT Workshoptagung