Was uns bewegt? Emotionen!

Ausführliche Beschreibung der Programminhalte


Eröffnungsvortrag (2 UE)

12. September 2020

Imagery Rescripting – Evidenz und Einsatzmöglichkeiten am Beispiel der Posttraumatischen Belastungsstörung


Christine Knaevelsrud, Berlin

Imagery Rescripting subsumiert verschiedene psychotherapeutische Ansätze, die der mentalen Neubewertung (Rescripting) negativer Erinnerung oder belastender Bilder dienen. Insbesondere im Rahmen der Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung findet dieser Einsatz zunehmend Verbreitung. Hier wird das traumatische Ereignis in der Vorstellung in seinem Ablauf und seiner Bedeutung verändert. Unterdrückte Handlungsimpulse können in der Imagination ausgedrückt und Gefühle wie Angst oder Scham modifiziert werden. Ziel des Vortrages ist es einen Überblick über das Konzept, die zugrundlegende Evidenz und das praktische Vorgehen zu vermitteln.

Literatur:

  • Niemeyer, H., Fueser, F., & Knaevelsrud, C. (2019). Imagery Rescripting und Modification bei der posttraumatischen Belastungsstörung. Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin, 40(1), 71-82.


© Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT) e. V.

 

Zweitägige Workshops (14 UE gesamt)

12.-13. September 2020

WS 1: Emotionsfokussierte Therapie (EFT) – Emotionale Verarbeitung als Motor therapeutischer Veränderung


Lars Auszra, München

Die Emotionsfokussierte Therapie nach Leslie S. Greenberg basiert auf der Überzeugung, dass es wichtig und möglich ist, unmittelbar mit Emotionen in der Therapie zu arbeiten, um nachhaltige Veränderung zu bewirken. Emotionen sind eine wichtige Ressource, die es zu nutzen gilt. Schmerzhafte, belastende Gefühle können dauerhaft verändert werden, indem gesündere, hilfreichere Gefühle zugänglich gemacht werden.
Wie heute allgemein anerkannt ist, liegen psychischen Problemen und Symptomen unabhängig vom Störungsbild eines/einer Patient*in in der Regel Schwierigkeiten in der emotionalen Verarbeitung zugrunde. Patient*innen fühlen zu viel, zu wenig oder immer wieder schmerzhafte, belastende Emotionen.
Die Emotionsfokussierte Therapie (EFT) setzt unmittelbar an diesen emotionalen Verarbeitungsschwierigkeiten an, um Veränderung zu bewirken. EFT gibt Therapeut*innen wissenschaftlich fundierte Methoden und Strategien an die Hand und eröffnet so neue Möglichkeiten, systematisch und effektiv mit dem emotionalen Erleben von Patient*innen zu arbeiten.
Dieser Workshop führt anhand von Powerpointpräsentationen, Videodemonstrationen und Kleingruppenarbeiten in die Theorie und Praxis der Emotionsfokussierten Therapie ein.

Literatur:

  • Auszra, L., Herrmann, I.R. & Greenberg, L.S. (2016). Emotionsfokussierte Therapie: Ein Praxismanual. Göttingen: Hogrefe.
  • Greenberg, L.S. (2002/2006). Emotionsfokussierte Therapie: Lernen mit den eigenen Gefühlen umzugehen. Tübingen: dgvt-Verlag.
  • Auszra, L.,  Herrmann, I.R. (2020). Emotionsfokussierte Therapie. Beltz Video-Learning. DVD. Psychologie Verlagsunion.

 

WS 2: Spiel-Raum-Therapie: Spiel und spielerische Herangehensweisen als Trancephänomen, heilsames Erleben, Metamorphose und Entwicklung in (verhaltens-)therapeutischen Settings


Hiltrud Bierbaum-Luttermann, Berlin

Fähigkeit zu spielen ist eine Ressource, die jeder Mensch mit auf die Welt bringt. Manchmal geht diese Fähigkeit verloren, durch Mangel an Möglichkeiten, Angeboten oder Resonanz, manchmal auch durch Traumata oder Deprivation. Oder durch Erwachsen werden. Erwachsene verlieren oftmals die Fähigkeit zu staunen, zu beobachten, zu gestalten, neugierig und prozessoffen zu sein.
Die wertfreie Wahrnehmung, dem/der Patient*in in seinem Weltbild begegnen, Schemaaktivierungen erkennen, Anstöße zur Selbstentwicklung und Selbstorganisation einweben, Fehlendes ausgleichen und sich Verletzungen heilsam zuwenden sind Beispiele der Verbindung von bedürfnisorientiertem therapeutischem Spiel mit erickson’schen Prinzipien und Herangehensweisen. Mit Spiel kommt Leichtigkeit und manchmal auch Humor in festgefahrene Muster in Familien, Paar- und Einzelsettings. Spiel, die Kunst im Augenblick zu sein und gleichzeitig das Geschehen aus der Metaebene zu betrachten ist auch herausfordernd für Therapeuten und Therapeutinnen. Heilsames und förderliches Spiel wird von persistierendem und eher entwicklungshemmendem Spiel unterschieden und ein hypnotherapeutisch orientiertes Konzept für Spiel (nicht nur für Kinder) in der Verhaltenstherapie vorgestellt.

Literatur:

  • Bierbaum-Luttermann, Hiltrud & Mrochen, Siegfried (2017): „Null Bock“ und schwarze Löcher – Zugang zu verborgenen Teilen gewinnen. In: Brächter, Wiltrud (Hrsg.), Der singende Pantomime: Ego-State-Therapie und Teilearbeit mit Kindern und Jugendlichen. Carl Auer, S. 86–104.
  • Retzlaff, Rüdiger, Spiel-Räume : Lehrbuch der systemischen Therapie mit Kindern und Jugendlichen. Stuttgart: Klett-Cotta, 2015.
  • Bierbaum-Luttermann, Mrochen, Klinische  Hypnose und Hypnotherapie mit Kindern und Jugendlichen. Junfermann Verlag, 2020.

 

WS 3: Einführung in die Hypnotherapie


Frauke Niehues, Gießen

Die Hypnotherapie beinhaltet nicht nur die Arbeit mit Trancezuständen, sondern zeichnet sich durch ein sehr wertschätzendes Menschenbild, die Gestaltung der Beziehung „auf Augenhöhe“ sowie die Ziel- und Lösungsorientierung aus. Auch bietet die Hypnotherapie gute Strategien zum Umgang mit Widerstand, der Arbeit mit Ambivalenzen und der Emotionsaktivierung.
Die Methoden sind vielfältig: der bewusste Einsatz von Sprache, die Arbeit mit Metaphern und Geschichten sowie Impacttechniken gehören ebenso zum Handwerkszeug wie die klassischen Trancen. Viele Techniken sind mit anderen Therapierichtungen sehr gut kombinierbar und in-tensivieren und beschleunigen den Therapieprozess.
In dem Workshop lernen Sie die grundlegenden hypnotherapeutischen Prinzipien und Methoden kennen. Es ist mit vielen Demonstrations- und Praxiseinheiten konzipiert, so dass Sie die Methoden ausprobieren und intensiv trainieren können.

Die konkreten Inhalte sind:

  • Theoretischer Hintergrund: Historie, Definition und Grundannahmen der Hypnotherapie
  • Hypnotherapeutische Strategien, z.B.: Realisierung der Ressourcen- und Lösungsorientierung
  • Aufbau und Gestaltung der therapeutischen Beziehung
  • Hypnotherapeutische Techniken, z.B.:
    • Priming und Seeding
    • Implikationen
    • MiniMax-Interventionen
    • Aphorismen, Metaphern und Geschichten
    • Impacttechniken
    • Einführung in die Trancearbeit

Literatur:

  • Revenstorf, D., Peter, B (Hrsg.).: Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin. Manual für die Praxis. Springer Verlag, 2015.
  • Prior, Manfred: MiniMax-Interventionen. 15 minimale Interventionen mit maximaler Wir-kung. Carl-Auer-Verlag, 2017.

 

WS 4: Die Arbeit mit Emotionen in der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT)


Norbert Schneider, Fürth

Es ist gerade allzu menschlich zu versuchen, schwierige und schmerzhafte Emotionen mit einer Vielzahl an Strategien zu kontrollieren. Diese Erlebnisvermeidung trägt aber oft wesentlich dazu bei, dass normales, wenngleich aversives emotionales Erleben in klinisches Leiden verwandelt wird. ACT will Menschen unterstützen, diesen unproduktiven Kampf gegen das eigene Erleben zu beenden und ihre Energien stattdessen auf das engagierte Handeln im Sinne ihrer Werte und tieferen Sehnsüchten zu fokussieren. Ziel ist es, die eigenen schwierige Gefühle und Gedanken mit Achtsamkeit, Akzeptanz und Mitgefühl zu begegnen und gleichzeitig das Leben aktiv zu verfolgen, das ihnen wirklich am Herzen liegt.

Einige der Fragen, auf die wir Antworten suchen werden:
Was können wir Klient*innen anbieten, deren emotionalen Kontrollstrategien sich als erfolglos oder kontraproduktiv erwiesen haben? Wie können wir emotionale Vermeidung in der Sitzung selbst feststellen und damit in vivo arbeiten? Wie können wir emotional herausfordernde Situationen in der Therapie herstellen, an die unsere Klient*innen wachsen können? Wie viel dürfen wir von unseren eigenen Emotionen in der Therapiebeziehung zeigen? Wie können wir selber emotionale Akzeptanz modellieren? Wie können wir das „Beobachterselbst“ nutzen, um schwierige Emotionen halten zu lernen? Wie können wir schmerzhafte sowie „positive“ Emotionen als Kompassnadel verwenden, um mehr Klarheit über unseren tieferen Sehnsüchten und Werte zu erwerben?

ACT ist eine erlebnisorientierte Therapie und dementsprechend werden in diesem Workshop - neben einer theoretischen Einführung - viele praktische Übungen vorgestellt und selbst ausprobiert.

Literatur:

  • Waadt, M, Martz, J., & Gloster, A. (Hrsg): Arbeiten mit der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Ein Fallbuch. Bern: Hogrefe, 2015.
  • Walser, R.: The heart of ACT. Oakland: Context / New Harbinger, 2019.


© Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT) e. V.


8. Tagung Psychotherapie-State-of-the-Art