Ausführliche Beschreibung der Workshops

Körper - Seele - Mensch


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W1: Psychologische Behandlung von chronischen
Schmerzstörungen

Jule Frettlöh, Bochum

Entsprechend der von der IASP (International Association for the Study of Pain) empfohlenen und inzwischen allgemein anerkannten Sichtweise ist chronischer Schmerz – unabhängig vom jeweiligen Krankheitsbild – als ein multidimensionales Phänomen zu betrachten. Die Erkrankung beschränkt sich nicht nur auf das Erleben des zum Teil langjährigen Schmerzes selbst, sondern wird im Verlauf der Chronifizierung insbesondere im Verhalten, in Stimmungen und Gefühlen, in Gedanken, Erwartungen und Überzeugungen sichtbar. Infolge chronischer Schmerzen verändert sich nicht selten auch die soziale und wirtschaftliche Situation der Patient*innen. Chronische Schmerzerkrankungen sind somit ein komplexes Ereignis, an dessen Entstehung und Aufrechterhaltung neben physiologischen auch psychische (d. h. emotionale, kognitive und verhaltensmäßige) Komponenten
beteiligt sind. Die psychischen Anteile bestimmen in erheblichem Ausmaß die Beeinträchtigung der Patient*innen und damit deren Therapiebedürftigkeit.
Nach einem theoretischen Überblick über die psychologischen Aspekte der Schmerzchronifizierung und den damit verbundenen Folgen für Patient*innen werden die zentralen Wirkfaktoren psychologischer Schmerztherapie vorgestellt, gefolgt von einer kurzen Darstellung der zentralen diagnostischen Methoden (Schmerzanamnese und Schmerzpsychometrie). Aus den diagnostischen Befunden werden dann die Ziele der psychologischen Schmerzbehandlung sowie mögliche Interventionsansätze abgeleitet. Verschiedene verhaltenstheoretische Interventionsmodule werden an einem ausführlichen Fallbeispiel vorgestellt und auf Wunsch mit Hilfe von Rollenspielen demonstriert.

W2: Aktuelle Konzepte in der Essstörungstherapie: Achtsamkeit, Emotionsregulation und die Überbewertung von Figur und Gewicht

Kristin Heinecke, Lübeck

Die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Essstörungen kann die unterschiedlichsten Schwerpunkte umfassen. Die Krankheitsschwere und Komorbidität spielen bei der Auswahl der Interventionen eine wichtige Rolle. In diesem Workshop werden einzelne Module der Essstörungsbehandlung vorgestellt, die basierend auf aktuellen empirischen Daten eine wesentliche Rolle in der modernen Essstörungstherapie spielen. Die vorgestellten Interventionen beruhen auf einem transdiagnostischen Ansatz und sind im Rahmen der dritten Welle der Verhaltenstherapie entstanden (CBT-E nach Fairburn und Therapie der Essstörung durch Emotionsregulation, angelehnt an die DBT nach Linehan).
Im Workshop werden drei wesentliche Kernelemente vermittelt: Zunächst werden achtsamkeitsbasierte Interventionen vorgestellt. In diesem Modul wird das achtsame Ess- und Bewegungsverhalten, der Umgang mit körperbezogenen Bewertungsprozessen und die physiologischen Folgen eines gestörten Essverhaltens vorgestellt. Der zweite Schwerpunkt liegt in der Vermittlung von Strategien in der Emotionsregulation, z. B. im Umgang mit körperbezogener Scham und Ekel beim Erlernen eines normalisierten Essverhaltens. Als drittes Element wird die Überbewertung von Figur und Gewicht und die Auswirkungen auf den Selbstwert betrachtet.
Anhand von Rollenspielen, Verhaltensexperimenten und Übungen werden die Techniken praktisch erarbeitet. Fallbeispiele dienen der Verdeutlichung individueller Behandlungsplanung bei Patientinnen und Patienten mit und ohne Komorbidität sowie unterschiedlicher Krankheitsschwere.
Eigene Fallbeispiele können eingebracht werden.

Sipos, V. & Schweiger, U. (2016). Therapie der Essstörung durch Emotionsregulation. Kohlhammer: Stuttgart.

Fairburn, C. G. (2011). Kognitive Verhaltenstherapie und Essstörungen. Schattauer: Stuttgart.

W3: Psychologisch-psychotherapeutische Perspektive bei schweren körperlichen Erkrankungen

Urs Münch, Berlin

Schwere körperliche Erkrankungen führen in ihrem Verlauf häufig dazu, dass Betroffene psychologisch-psychotherapeutischer Unterstützung bedürfen. Mal sind Erkrankungen konkreter Auslöser für Bedarfe, mal erkranken Menschen schwer im Verlauf einer ambulanten Psychotherapie. Dieser Workshop soll einen Überblick über mögliche Themen in solch einer Lebenssituation vermitteln, z. B. Umgang mit Erkrankungssituationen, Schuld, Bilanz ziehen, Sterbenswunsch, Coping, Konflikte und Traumatisierungen.
Darüber hinaus geht es in der psychotherapeutischen Arbeit aber auch um die eigene Haltung, den Umgang mit den eigenen Ängsten und der eigenen Betroffenheit. Wenn ein Mensch schwer erkrankt, dann betrifft ihn das selten alleine. Das Umfeld gehört hierbei unbedingt einbezogen, ebenso die Mitbehandler*innen. Zudem bedarf es auch zusätzlichen Wissens: über Behandlungsstrukturen, medizinische Basics sowie Tod und Sterben.
Im Rahmen einer schweren und/oder Lebenszeit limitierenden Erkrankung haben sich einige Konzepte als hilfreich erwiesen, z. B. zu Würde, Lebenssinn, Lebensqualität, Achtsamkeit und Angstreduktion. Am Ende des Seminars sollen die Teilnehmer*innen einen guten Überblick über die Thematik haben, der sie, hoffentlich, neugierig auf diese spannende und bereichernde Arbeit macht sowie über Ideen und Anregungen verfügen, welche in psychotherapeutischen Interventionen praktisch einsetzbar sind.

Berthold D, Gramm J, Gaspar M, Sibelius U (Eds.). Psychotherapeutische Perspektiven am Lebensende, Vandenhoek und Ruprecht: Göttingen, 2017.

Mehnert A, Nauck F (2016). Psychotherapie in der Palliativen Versorgung. ZfPalliMed, 2016, 17: 289-301.

Münch U (2018). Psychologisch-psychotherapeutische Arbeit in Palliative Care. Psychotherapie Aktuell 2.2018, 20-24.

Sektion Psychologie der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (2016). Palliativpsychologie – Berufsbild für Psychologinnen und Psychologen in der Palliativversorgung. https://www.dgpalliativmedizin.de/images/Berufsbild_PalliativpsychologIn_DGP_2016.pdf

W4: Bewusstes Atmen verbindet Körper und Seele

Ulrich Ott, Gießen

Das bewusste Atmen hat sowohl bei der Sitzmeditation als auch beim Yoga einen großen Stellenwert. Die Empfindungen beim Atmen sind ein bewährter Anker für die meditative Schulung der Achtsamkeit. Im Yoga kommen zur reinen Betrachtung des natürlichen Atems noch Techniken hinzu, bei denen die Atmung gezielt gedehnt, beschleunigt sowie angehalten wird. Im Workshop werden verschiedene Techniken
vermittelt, um über eine bewusste Atmung das Bewusstsein in der Gegenwart zu verankern und die Aufmerksamkeit in den Körper zu lenken. Es werden zahlreiche kurze, effektive, alltagstaugliche Übungen vermittelt, die beispielsweise dazu genutzt werden können, Kopf (Herz und Bauch) zwischen Therapiesitzungen wieder frei zu bekommen und Qualitäten wie Ruhe, Mitgefühl und geistige Klarheit zu kultivieren. Bitte bequeme Kleidung, Meditationskissen oder –bänkchen (sofern vorhanden) und eine Decke oder Yoga-Matte mitbringen.
Vorerfahrungen sind nicht erforderlich.

Ott, U. (2010). Meditation für Skeptiker. München: O. W. Barth.
Ott, U. (2013). Yoga für Skeptiker. München: O. W. Barth.
Ott, U. (2018). Gesund durch Atmen. München: O. W. Barth.


Termine

Traumatherapie (DGVT)
Start der Reihe: 04.-05. Mai 2019 in München

Spieltherapeutische Interventionen in der Verhaltenstherapie
Start der Reihe: 11.-12. Oktober 2019 in Reutlingen

Psychotraumatologie im Kindes- und Jugendalter
Start der Reihe: 26.-28. Oktober 2019 in Münster

Smart Therapy - Internet und APPs in der psychotherapeutischen Behandlung
30. März 2019 in Köln

Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) - Aufbau
05.-06. April 2019 in Frankfurt

Gruppenverhaltenstherapie
04. Mai 2019 in Hannover

Einführung in trangsgenerationale Übertragungen
04.-05. Mai 2019 in Hannover

Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) und japanische Kampfkunst
11.-12. Mai 2019 in Potsdam

Verhaltenstherapie für Menschen mit Intelligenzminderung
11. Mai 2019 in Hamburg

Der DGVT-Berufsverband bietet Mitgliedern der DGVT/DGVT-BV laufend Seminare und Workshops zur Praxisorganisation an. Weitere Informationen erhalten Sie hier.