Ausführliche Beschreibung der Programminhalte

Eröffnungsvortrag (2 UE)

Samstag, 10. September 2022

Metakognitives Training für Psychosen (MKT). Durchführung & aktueller Stand der Forschung

Steffen Moritz, Hamburg

Das Metakognitive Training (MKT) für Psychose wurde Anfang der 2000er Jahre entwickelt und liegt unter www.uke.de/mkt in mittlerweile 37 Sprachen zum kostenlosen Download bereit. Der Vortrag stellt die einzelnen Module vor, die sich im Laufe der Jahre optisch aber auch inhaltlich stark verändert haben. Lag der Fokus ursprünglich auf kognitiven Denkverzerrungen wie übermäßiger Urteilsicherheit und voreiligem Schlussfolgern wurden zunehmend auch emotionale Probleme mit einbezogen, da viele Betroffene eine Behandlung nicht nur benötigen, sondern auch wünschen (anders als bei Positivsymptomen, wo vielfach Therapieambivalenz besteht). Wir haben nunmehr auch eine Smartphone-App entwickelt (www.uke.de/cogito), die der Verstetigung der MKT-Lerninhalte dient. Das MKT ist in die Behandlungsleitlinien der Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)sowie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) aufgenommen worden. Die letzte in 2022 bei JAMA Psychiatry erschienene Meta-Analyse zeigt, dass das MKT die Positivsymptomatik im mittleren Effektstärkebereich reduziert und auch Selbstwert und Negativsymptomatik signifikant verbessert. Um die Gruppe der hochakuten Patient*innen auf geschützten Stationen zu erreichen, liegt nun auch eine verkürzte und vereinfachte Akut-Version des MKT vor. Der Vortrag stellt das Training mit vielen praktischen Beispielen vor und gibt einen Überblick über die letzten empirischen Studien und Meta-Analysen.

Zweitägige Workshops (14 UE gesamt)

Samstag & Sonntag, 10.-11. September 2022

W1: Herausfordernde und schwierige Situationen in der Psychotherapie - ein Praxisseminar unter Beteiligung von Simulationspatienten

Roberto D´amelio, Homburg/Saar

Dieser Workshop zum Umgang mit herausfordernden Situationen in der Psychotherapie wird verschiedene „brenzlige Situationen“ – wie Aggressionen und Suizidalität – in den Blick nehmen. Am ersten Workshoptag werden Grundlagen, theoretische Modelle und Selbsterfahrung im Vordergrund stehen. Am zweiten Tag soll unter Einbezug von zwei Simulationspatienten (professionelle Schauspieler mit langjähriger Erfahrung im HOM-KIT Programm der Medizinischen Fakultät des Saarlandes als Simulationspatient*innen) praktisch anhand Ihrer selbst eingebrachten Fallvignetten geübt werden.

Eine detaillierte Workshop-Beschreibung sowie Literaturangaben folgen an dieser Stelle in Kürze.

 

W2: Integrative Behandlung von Persönlichkeitsstörungen im Lichte der ICD-11

Peter Fiedler, Heidelberg

In der kommenden ICD-11 wird mit Ausnahme der Borderline-Persönlichkeitsstörung endlich auf eine stigmatisierende kategoriale Typenzuordnung gänzlich verzichtet. Mit Blick auf eine Verbesserung der Indikation psychotherapeutischer Maßnahmen wurden im Gegenzug fünf allgemeine Persönlichkeitscluster (sog. Trait Domains) operationalisiert, die mit behandlungsrelevanten Persönlichkeitsmerkmalen in den Vordergrund rücken. Zugleich ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch die Entwicklung integrativer Perspektiven voranschreitet, was am Beispiel von gegenwärtig breiter diskutierten Therapiekonzepten mit Fall- und Video-Beispielen konkretisiert werden soll. Zugleich kann ein im Workshop vermitteltes Schema zur (an den ICD-11-Trait Domains orientierten) differenziellen Indikation auf Fallbeispiele aus der Praxis (vor allem der Teilnehmer) in praktischen Übungen in Anwendung gebracht werden.

Literatur:

Fiedler, P. & Herpertz, S.C. (2016). Persönlichkeitsstörungen (völlig neu bearbeitete
7. Aufl.). Weinheim: Beltz-PVU.

Fiedler, P. (2017). Bedeutung der Komorbiditätsforschung für die Behandlungsplanung bei Persönlichkeitsstörungen. Persönlichkeitsstörungen: Theorie und Therapie, 21, 3 – 13.

Fiedler, P. (2022). Ätiologie und Behandlung der Persönlichkeitsstörungen: eine psychosoziale Perspektive. In U. Voderholzer & F. Hohagen (Hrsg.), Therapie psychischer Erkrankungen. State of the Art (neu für: 17. Aufl.; S. 447 – 458). München: Elsevier.

 

W3: Sucht und Substanzkonsum als Herausforderung bei Patient*innen in der niedergelassenen Praxis

Stephan Mühlig, Chemnitz & Sören Kuitunen-Paul, Dresden

Der Workshop soll die Bedeutsamkeit von Substanzkonsumstörungen als Komorbidität in der psychotherapeutischen Praxis hervorheben. Dazu werden S3-leitlinienkonforme diagnostische Grundlagen vermittelt sowie eine epidemiologische Einordnung. Für zwei Bereiche werden ambulante Interventionsmöglichkeiten vorgestellt: die von Prof. Mühlig erarbeiteten Therapietools zu Alkohol und Tabak und das von Dr. Kuitunen-Paul mitentwickelte DELTA-Gruppenprogramm zur ambulanten Intervention bei Jugendlichen mit Substanzkonsumstörungen.

Literatur:

Golub, Y., Basedow, L., Meiron-Zwipp, J., Kuitunen-Paul, S., Roessner V. (2021). DELTA – Dresdner Multimodale Therapie für Adoleszente mit chronischem Suchtmittelkonsum. Ein Therapiemanual. Göttingen: Hogrefe. ISBN 978-3-456-86129-6

Lindenmeyer, J., & Mühlig, S. (2019). Therapie-Tools Alkohol- und Tabakabhängigkeit. Weinheim: Beltz; ISBN 978-3-621-28680-0.

Neudeck, P. & Mühlig, S. (2020, 2. Aufl). Therapie-Tools Verhaltenstherapie. Weinheim: Betz; ISBN 978-3-621-28673-2.

 

W4: Akut-MKT für Menschen auf geschlossenen Stationen

Swantje Marie Borsutzky, Hamburg

Das Metakognitives Training (MKT) für Menschen mit Psychose/Schizophrenie (MKT; www.uke.de/mkt) ist eine Gruppenintervention, welche das Ziel verfolgt, Patient:innen mit Psychose typische Denkverzerrungen wie voreiliges Schlussfolgern und Unkorrigierbarkeit bewusst zu machen und schrittweise zu verändern. In der Forschung wird diesen Verzerrungen eine Schlüsselrolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Wahn und teilweise auch von Halluzination zugewiesen. Über die Korrektur von Denkverzerrungen beabsichtigt das MKT eine Reduktion der psychotischen Kernsymptomatik. Da viele Betroffene insbesondere unter Depression und Negativsymptomatik leiden, werden auch die Themen Stimmung/Depression und Selbstwert adressiert. Das Rational des MKT ist es, fließende Übergänge zwischen normalem und psychotischen Erleben zu schaffen (Normalisierung ohne „Kumpelpsychiatrie“).  

Im Workshop sollen neben der Vermittlung theoretischer Hintergründe auch die Durchführung des Trainings praktisch geübt werden.