Ausführliche Beschreibung der Workshops

Workshops (4 UE)

27. November 2021

Vormittag (9:00-12:15 Uhr)
 

WS 1 Die Botschaft von Bohnen, Bechern und Papier Impact Techniken und hypnotherapeutische Ansätze im Kontext von Schulproblemen, Motivationsförderung und häuslichen Konflikten - AUSGEBUCHT!
Hiltrud Bierbaum-Luttermann, Berlin

Der Evaluation von Therapieverläufen zu Folge wurden analoge und metaphorische Aktionen von Eltern und Kindern, die zu uns in Behandlung kamen, sehr gut angenommen und nachhaltig im Gedächtnis verankert. Die Kombination von Impacttechniken (n. Danie Beaulieu) mit Hypnose vertieft das Erleben, ist oft mit Humor verbunden und hat immer eine spielerische Komponente, durch die andere neurologische Prozesse stattfinden, als bei der rein kognitiven Herangehensweise. Die emotionale Intensität solcher Sequenzen ist oft beeindruckend und sollte, besonders, wenn es darum geht, „die Komfortzone zu stören“, gut durch Rapport und die therapeutische Haltung unterfüttert sein. In diesem Workshop werden anhand von Beispielen und Demonstrationen sowie kleinen Übungen der Aufbau von solchen Interventionen und deren Möglichkeiten in der Arbeit mit Eltern, Kindern, Jugendlichen und Familien oder Subsystemen für den schulischen Bereich vorgestellt.

Literatur
Danie Beaulieu , Impact Techniken , Carl Auer Verlag
Bierbaum-Luttermann, Mrochen, Klinische Hypnose und Hypnotherapie mit Kindern und Jugendlichen, Junfermann Verlag 2020-05-12

 

WS 2 Kinder und Jugendliche lösungsorientiert Beraten und unterstützen auf der Basis von "ich schaff´s"
Christina Achner, Bad Tölz

"ich schaffs" - das lösungsorientierte Programm für die Arbeit mit Kindern
und Jugendlichen.
Ziele:
In diesem Workshop erhalten Sie eine Einführung in das Konzept "ich
schaff`s" und lernen die praktische Handhabung des "ich schaff's"-Programms
kennen.


Was ist "ich schaff`s?"
"ich schaff’s" ist ein Beratungskonzept für Kinder und Jugendliche. Es unterstützt
diese, Herausforderungen zu meistern und dabei Fähigkeiten zu entdecken und
zu erlernen. Es wurde von Ben Furman in Finnland entwickelt und mittlerweile in
über zehn Sprachen übersetzt. Kern des „ich schaff’s“-Programms ist die Erkenntnis, dass Probleme auch als Hinweise auf Fähigkeiten gesehen werden können, die erlernbar und gestaltbar sind. Das ich schaff’s - Programm macht Spass, fördert das Selbstvertrauen und die Selbstwirksamkeit von Kindern und Jugendlichen. Es beschuldigt niemanden. Stattdessen lädt es Eltern und andere wichtige Bezugspersonen dazu ein, aktive Teilnehmer*innen des Lernprozess zu werden. Von den Jugendlichen selbstgewählte Ziele unterstützen dabei, den Nutzen des Lernens zu erkennen.


Was Sie erwartet?
Sie erhalten einen Überblick über die Phasen des Programms und lernen die 15
Schritte von "ich schaff`s" kennen. Ein Wechsel aus Input, Übungen in Kleingruppen und supervisorischen Einheiten im Plenum bieten die Möglichkeit, eine eigene „ich schaff’s“-Perspektive zu entwickeln und gute Lösungen zu finden, wie das Programm in vielfältigen Kontexten eingesetzt werden kann.


Ich freue mich auf Sie!

 

WS 3 Stärke aus dem Team - wie man mit KIKOS Kind, Eltern und Lehrkräfte unter einen Hut bekommt - Eine Einführung in KIKOS
Claudia Reinicke, Dresden

KIKOS® bedeutet Kompass zur Integration komplexer Systeme.

KIKOS® verbindet Menschen und Techniken.

In diesem KIKOS®-Einführungsseminar erfahren und lernen Sie, welche leicht erlernbaren Elemente des KIKOS®-Kompasses bei Ihrer Klientel hilfreich sein können, um Kinder, Eltern und Lehrer*nnen unter einen Hut zu bekommen.

Ich stelle Ihnen dazu die Grundsätze dieser Herangehensweisen vor. Dann testen wir den vernetzenden Nutzen mit einer kleinen Auswahl aus den enthaltenen Techniken an Ihren eigenen praktischen Beispielen. So wird das Klopfen nach Michael Bohne demonstriert, von Ihnen geübt und dann in den Kontext mit Kindern, Eltern und Lehrpersonen gebracht. Um die Ressourcen des unmittelbaren und entfernteren Umfeldes mit einer gewissen Leichtigkeit zugänglich zu machen, werden wir mit einem Auszug aus der lösungsorientierten Kooperation experimentieren oder bei Bedarf, je nach Ihren eigenen Anliegen, ein Element aus den anderen enthaltenen Bereichen nutzen.

Die Anwendung von KIKOS® ist unabhängig von spezifischen therapeutischen Ausrichtungen und kann in alle integriert werden.

Literatur
Reinicke, C.A. & Bohne, M. (2019); Klopfen mit Kindern, Heidelberg: Carl Auer Verlag.

 

WS 4 Schulverweigerung - AUSGEBUCHT!
Norbert Wieland, Münster

Mein zentraler Zugang zum Thema ergibt sich aus meiner Arbeit im Kontext eines Modellprojekts für jugendliche Hauptschüler, die massiv die Schule verweigern. Dieses Modellprojekt startete zur Jahrtausendwende und realisiert die Beschulung dieser Jungen und Mädchen mit dem Ziel, wieder eine Anbindung an Unterricht zu ermöglichen. Dieses Ziel wurde erreicht durch die einjährige Beschulung in einer kleinen Gruppe, an einem Ort außerhalb der Herkunftsschulen, mit einer Lehrkraft und einem Schulsozialpädagogen. Es war als ein Element in ein Gesamtsystem von Schulsozialarbeit an einer Hauptschule in Münster intergriert.

Schulverweigerung ist nicht nur ein Problem einzelner Mädchen und Jungen, sondern auch eines von Peer Groups, Familien und Schulen. Deshalb macht es bei der Arbeit mit Einzelnen zum Thema Schulverweigerung Sinn, all diese Akteure einzubeziehen, soweit das sinnvoll und möglich erscheint.

In der Veranstaltung werden deshalb in einem ersten Schritt die drei häufigsten Perspektiven auf Schulverweigerung rekonstruier. Das sind die Perspektiven der Jugendlichen, die der Eltern und die der Schule/Lehrer*innen. Dafür soll auch Material aus Fällen der Teilnehmer*innen genutzt werden, so dass ein Diagnose-Muster entsteht, das sich für die konkrete Arbeit nutzen lässt.
In einem zweiten Schritt werden Verfahren erarbeitet, bzw. geprüft und ausprobiert, die für die Arbeit mit jeder dieser drei Perspektiven geeignet sind. Daraus entsteht ein erster Eindruck von einem multiperspektivischen Vorgehen bei Schulverweigerung.

Beide Schritte lassen Raum für eine Auseinandersetzung mit relevanten Fragen, z. B.
•    eine Typologie von Schulverweigerung
•    Schulverweigerung als Lösungsstrategie bei jugendspezifischen Problemen
•    Schulverweigerung als Beitrag zur Lösung familiärer Probleme
•    der Zusammenhang von Lernstörungen und Schulverweigerung
•    Schulverweigerung als Folge von Ausgrenzung

Die Veranstaltung gelingt umso besser, je mehr Material aus der Praxis der Teilneh-mer*innen zur Verfügung steht. Dieses Material bindet die Übungen und Reflexionen der Veranstaltung an die Praxis.

Literatur
Thimm, Karlheinz (2000): Schulverweigerung.Votum Verlag. Münster
Wieland, Norbert (2010): Die soziale Seite des Lernens. VS Verlag. Wiesbaden

 

Nachmittag (13:15-16:30 Uhr)
 

WS 5 Resilienzförderung von Kindern und Jugendlichen im Kontext Schule - AUSGEBUCHT!
Stefanie Schopp, Freiburg

Auf Schüler*innen kommen, neben allgemeinen Entwicklungsaufgaben und spezifischen Lebensereignissen, viele neue Herausforderungen wie Leistungserwartungen, Effizienzstreben, Bewertungen oder auch das sich vergrößernde soziale Umfeld und das Herstellen neuer Bindungsbeziehungen zu. Daneben steht eine unverhältnismäßige Zunahme von Bildungsbenachteiligung und die Ungleichheit von Bildungschancen in unserem Land sowie die mediale Überflutung und Einflüssen von virtuellen Netzwerken.

Ziel der Forschungsprojekte „Grundschule macht stark!“ und „Resilienzförderung in weiterführenden Schulen“ ist die Förderung der seelischen Widerstandsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen in diesem sensiblen Stadium, um sie in ihren Kompetenzen zur Bewältigung von Herausforderungen und Krisen zu stärken. In den Forschungsprojekten werden präventive Maßnahmen zur Förderung der seelischen Gesundheit innerhalb eines Mehrebenenansatzes in Schulen entwickelt, durchgeführt, begleitet und evaluiert.
Hierzu wurde ein Qualifizierungskonzept für Lehrkräfte entwickelt. Die Qualifizierung bildet die Grundlage für die Umsetzung und Einbettung des Resilienzkonzeptes innerhalb des Mehrebenenansatzes auf der Ebene der Kinder und Jugendlichen sowie ihrer Bezugspersonen, auf Klassenebene und der Ebene der Gesamtorganisation Schule.

Literatur
Resilienz und Resilienzförderung über die Lebensspanne, Fröhlich-Gildhoff K., Rönnau-Böse, M., 2015 Kohlhammer Verlag
Resilienz, Fröhlich-Gildhoff K., Rönnau-Böse, M.,  Kohlhammer 5. Auflage 2019, utb GmbH
Prävention und Resilienzförderung in Grundschulen, Fröhlich-Gildhoff K, Kerscher-becker J., Fischer S., 2. Auflage 2020, Reinhardt Verlag
Prävention und Resilienzförderung in weiterführenden Schulen, erscheint im Sommer 2020

 

WS 6 ADHS und Kooperation mit Lehrkräften
Claudia Ruff, Bottrop

In der Arbeit mit ADHS-betroffenen Kindern und Jugendlichen kommt es häufig zu Kontakten und Austausch mit Lehrkräften. Nicht selten zeigen sich gerade im schulischen Kontext massive Störungen und Beeinträchtigungen, die eine enge Kooperation mit den Ansprechpartner*innen in der Schule erfordern. Praktisch zeigen sich immer wieder Probleme, wenn Kenntnisstand, Erklärungsmodelle und Interventionsstrategien von Psychotherapeut*in und Lehrkraft sich deutlich unterscheiden. Gute Strategien für ein kooperatives Miteinander von Psychotherapeut*in, Lehrkraft und Eltern sind aber notwendig, um den Therapieerfolg der jungen Patient*innen möglich zu machen. Materialien für die Psychoedukation von Lehrkräften sowie bewährte Ratgeberliteratur werden ebenso vorgestellt wie Gesprächsleitfäden und Problembearbeitung für die Hand des/der Psychotherapeut*in. Es soll auch Raum geben für den Austausch bisheriger Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Schulen. Verständnis entwickeln für die Situation der Lehrkräfte gehört genauso dazu wie das Wissen um übliche Strategien, aber auch Hilfe zu Entlastung aller Beteiligten in Unterrichts- und Hausaufgabensituation.

Literatur

Döpfner, M., Frölich, J. & Wolff Metternich-Kaizmann, T. (2019). Ratgeber ADHS. Infor-mationen für Betroffene, Eltern, Lehrer und Erzieher zu Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen. Göttingen:Hogrefe.
Döpfner, M.; Schürmann, S. & Frölich, J. (2019). Therapieprogramm für Kinder mit hy-perkinetischem und oppositionellem Problemverhalten. Weinheim: Beltz.
Klein, J. & Träbert, D. (2002). Wenn es mit dem Lernen nicht klappt. Schluss mit Schul-problemen und Familienstress. Hamburg: Rowohlt.

 

WS 7 Spielstark in der Schule – Förderung von emotionalen und sozialen Kompetenzen mit Gesellschaftsspielen im Klassenraum und in Therapie
Christina Valentiner-Branth, Reinbeck

Wer spielt, der übt. Er probiert sich aus in sozialer Interaktion, Selbstfürsorge und Impulskontrolle. Er fokussiert sich auf das Spielgeschehen, plant, wartet ab, hält aus, wenn seine Strategie nicht funktioniert und plant neu.
Kinder mit Schulschwierigkeiten haben oft noch großes Entwicklungspotential in genau diesen Bereichen. In diesem Workshop lernen Sie das Programm „Spielstarke Schule“ kennen und erleben, wie Sie in Therapie Gesellschaftsspiele einsetzen können.  
Der hohe Aufforderungscharakter von Spielen ermöglicht uns, schnell und nied-rigschwellig mit den Kindern in Kontakt zu kommen. Aggressive Kinder, verschlossene, schüchterne Kinder, Kinder mit distanzlosem Verhalten: mit Gesellschaftsspielen übersetzen wir Diagnosen in klare Handlungsalternativen, die wir direkt vor Ort ausprobieren und beloben können. Als Mitspieler sind wir Role-Model, können unseren Umgang mit unseren eigenen Gefühlen zeigen und so Verhaltensänderungen induzieren. Gesellschaftsspiele machen Verhalten sicht- und fühlbar und ermöglichen somit authentische Reflexion. Sie holen den Alltag in die Praxis und ermöglichen einen spielerischen Transfer von der Therapie zurück in den Alltag, wenn es gelingt, die neu erworbenen Fähigkeiten in Schule und Elternhaus auszuprobieren.  
Gesellschaftsspiele machen Spaß! Keine Angst: auch etwas, was so viel Spaß macht, kann sehr nützlich sein.
In diesem Workshop wollen wir vor allem eines: spielen, spielen, spielen. Sie lernen zielgruppengerechte, attraktive Spiele für die Altersgruppe 5-10 Jahre kennen und können sie im Spiele-Zirkeltraining selbst ausprobieren. Der „Spielerpass“ wird vorgestellt und es gibt eine Empfehlungsliste mit kostengünstigen Spielen für die eigene Praxis. Spielen Sie mit?

Literatur
Spieleliste und Literaturliste werden zur Veranstaltung ausgegeben

 

WS 8 Cybermobbing im Kindes-/Jugendalter: Entstehungsbedingungen und Möglichkeiten der Prävention und Intervention in der Schule mit dem Programm MEDIENHELDEN - AUSGEBUCHT!
Herbert Scheithauer, Berlin

(Cyber-)Mobbing ist ein hoch-prävalentes Phänomen und geht mit zum Teil erheblichen psychischen Folgen für die Gemobbten - aber auch für die Kinder und Jugendlichen, die andere mobben - einher. Im klinischen Kontext kann bei verschiedenen Störungen im Kindes- und Jugendalter (z. B. Angststörungen, Depression, Schulmüdigkeit, psychosomatische Beschwerden) (Cyber-)Mobbing eine Rolle spielen, dennoch liegen bisher nur wenige evidenzbasierte Verfahren zur Therapie mit direktem Bezug zum Mobbing vor. Im Workshop wird das Phänomen (Cyber-)Mobbing, Ausdrucksformen, Folgen, Möglichkeiten des Erkennens von Betroffenen sowie Entstehungsbedingungen auf der individuellen, Gruppen/Schulklassen-, sowie familiären Ebene erläutert und Möglichkeiten der schulischen Prävention ( Medienhelden, www.medienhelden.info) sowie Möglichkeiten klinischer Interventionen vorgestellt. Beispiele für Methoden und Materialien aus dem Programm Medienhelden werden im Workshop gemeinsam bearbeitet.

Literatur

Hess, M., Wirtz, S.M., Allroggen, M., & Scheithauer, H. (2017). Intervention und Therapie für Täter und Opfer von Schulbullying: Ein systematisches Review. Praxis der Kinderpsy-chologie und Kinderpsychiatrie, 66, 740-755. doi: 10.13109/prkk.2017.66.10.740
Scheithauer, H., Hayer, T. & Petermann, F. (2003). Bullying unter Schülern: Erschei-nungsformen, Risikobedingungen und Interventionskonzepte. Göttingen: Hogrefe.
Schultze-Krumbholz, A., Zagroscak, P., Roosen-Runge, A., & Scheithauer, H. (2018). Medienhelden: Unterrichtsmanual zur Förderung von Medienkompetenz und Prävention von Cybermobbing, 2. überarb. Aufl. München: Reinhardt.